Was ist aus den "Unter dem Radar"-Bands geworden?

Seit mittlerweile 20 Episoden und fast drei Jahren gibt es unser Format „Unter dem Radar“, in dem wir (noch) unbekannte Bands vorstellen, schon. Grund genug, uns für unseren Jubiläumsmonat mal anzuschauen, was die Bands heute machen.
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Für Statistiknerds gibt es erstmal ein paar Fakten zum Format und den vorgestellten Bands. Von den 20 Episoden sind ganze sieben von Jakob und fünf von Moritz, der Rest teilt sich fast gleichmäßig auf den Rest der Redaktion auf. Die Genres, die unter den interviewten Bands am meisten vertreten waren, sind Post Hardcore (Apaath, Donnokov, Finte, Knife Eyes) und irgendwas zwischen Emo und Post Punk. Lokalisiert werden 18 Bands in Deutschland, davon sieben in NRW, vier in Bayern und drei in Hamburg. Doch Unter dem Radar ist auch schon international – mit Coilguns ist eine Hardcore-Band aus der Schweiz und mit Youth Fountain eine Band aus Vancouver/Kanada vertreten.

Und was ist jetzt aus den interviewten Bands geworden?

Die allererste Folge war im April 2018 mit Resist The Ocean, einer Metalcore-Band aus Nürnberg. Im gleichen Jahr ist die Band zweimal auf kleinen Touren gewesen, vorwiegend im süddeutschen Raum. 2019 ging es wieder auf Tour, auch einige kleinere Festivals waren dabei – die bislang größte Tour war für 2020 durch Deutschland mit einem Stopp in Österreich geplant, doch die konnte aus bekannten Gründen nicht stattfinden. Also wurde fleißig an neuen Songs für ein zweites Studioalbum gearbeitet, das hoffentlich im Herbst 2021 mit Release-Tour mit Nightary Events veröffentlicht werden kann.

Etwas konkreter sieht es mit einemneuen Album bei der Münsteraner Emo-Band Great Escapes aus, das kommt nämlich am 19.03.2021 über Midsummer Records. Eigentlich waren nach einem studio- und proberaumlastigen Jahr 2019 für 2020 wieder mehr Liveauftritte geplant, und eine Tour quer durch Deutschland war kurz vor dem ersten Lockdown tatsächlich noch möglich. Der Rest von 2020 wurde dann für die Vorbereitung des Albumreleases genutzt, von Videoproduktion über Artwork und Konzept planen, bis hin zu Fotoshootings.

Auch Die Lieferanten, ebenfalls aus Münster, waren seit Erscheinung ihres UdR-Artikels produktiv. Zwei Clubtouren mit insgesamt 30 Konzerten wurden 2019 noch durchgeführt und ähnliches war für 2020 geplant, inklusive Festivals und einer kleinen Holland-Tour. Immerhin sechs bestuhlte Konzerte konnten die Jungs 2020 trotzdem verbuchen, der Rest der Zeit wurde dann eben im Studio verbracht. Für die Zukunft ist ein Album geplant, das aber auch aus dem Mangel an Konzerten und dem damit verbundenen Verdienstausfall noch nicht konkret datiert ist - im ersten Halbjahr 2021 wird aber eine Single veröffentlicht werden.

Der Kölner Rapper CONNY verbucht seit dem UdR-Artikel eine EP, die noch 2019 vollständig erschienen ist, ein sehr politisches Album mit dem Titel „Biedermann & Brandstifter“ als Duo „Der Plot“ mit dem Rapper Elmäx und drei weitere CONNY-Singles. Für die 2020 erschienene Single „Schäm dich“ gab es sogar einen Musikvideopreis. Auch das nächste Album steht in den Startlöchern. Die erste Single daraus erscheint voraussichtlich am 22.1.2021.

Die zweite Ausgabe von Unter dem Radar war im Mai 2018 mit der Post-Punk Band Lyschko aus Solingen. 2019 hat die Truppe ihre Debüt-EP „Stunde Null“ released, eine Deutschland-Tour absolviert und auf diversen Festivals gespielt. Aktuell arbeiten sie im Radio Buellebrueck Studio an neuem Material.

Knapp zwei Wochen nach dem Erscheinen ihres UDR-Artikels im August 2018 veröffentlichte die Hamburger Indie-Punk Band Leto ihr erstes Album über Rookie Records.. Sie waren auf Tour und haben unter anderem auf dem Reeperbahn-Festival gespielt. Den Lockdown nutze die Band um mit dem Leoniden-Produzenten Kristian Kühl am zweiten Album zu arbeiten, das auch im Oktober 2020 erschien – mit Releasekonzert unter Corona-Auflagen im Hamburger Club Molotow. 2021 sind bisher zwei Shows im Oktober geplant, sowie weitere Studioarbeiten, sobald es die Pandemie zulässt.

Die selbsternannte „Neo-Dada“-Band Kochkraft durch KMA aus Duisburg und Köln hat seit dem UDR-Artikel 2018 besonders viel live gespielt, unter anderem als Support von Adam Angst und MIA. Auch die „denkwürdige Teilnahme an der Pro7-Primetime-Totgeburt“ (diesen Satz musste ich aus der Mail einfach übernehmen) „My Hit, Your Song“ mit zwei gecoverten Olly-Murs-Songs, während dieser als der Jury im gleichen Raum saß, scheint die Kochis nachhaltig geprägt zu haben. Da Olly Murs versprochen hat, mal zu einer Kochkraft-Show zu gehen, das bisher aber nie getan hat, rächt sich Kochkraft durch KMA dadurch, auch nie auf einws seiner Konzerte zu gehen. Corona hat die Band zum Glück nicht so hart erwischt – sie selbst hatten als Band zum Glück die Möglichkeit, relativ früh durch Online-Live-Darbietungen wenigstens ein paar Einnahmen erspielen zu können.

Auch bei der mittelfränkischen Post-Hardcore-Band Apaath ist seit dem UdR-Artikel viel passiert. Mit dem ersten Single-Release des 2020 erschienenen Debütalbums „Schere Zange Glück“ (das auch bei uns satte 9.3 Punkte erlangte) wurde die erste eigene Deutschlandtour eingeläutet, die aus 11 Konzerten und einem Abschluss in Prag bestand. Insgesamt hat Apaath 2019 knapp 30 Konzerte gespielt und wurde schließlich in den Förderpool des Verbandes für Popkultur in Bayern aufgenommen. Das in Eigenregie entstandene Debütalbum erschien pünktlich zur ersten Hochphase der Corona-Pandemie im April 2020, wodurch auch die Releasetour flachfiel. Ein einziges Konzert durfte die Band dennoch spielen, auf dem Nürnberg Pop Festival 2020. Vor kurzem ist zudem ein kleiner Film zur Entstehung des Albums auf Youtube veröffentlicht worden. „Ohne bereits zu viel verraten zu wollen“, schreibt Peter, „wird es früher oder später auch von uns wieder neues Material zu hören geben“.

Ganz so positiv sieht es bei zwei der UdR-Bands nicht aus, die Treuchtlinger Alternative-Rock-Band Xirow hat sich Ende 2020 aufgelöst, genauso wie die Jenaer Post-Hardcore-Band Donnokov bereits Ende 2019. Die Düsseldorfer Indie-Band Bloodflowers startet hingegen mit neuer Besetzung ins nächste Jahr.

Wir freuen uns auf jeden Fall auf alles, was es von den Bands in Zukunft noch zu hören gibt. Auch Unter dem Radar als Format wird es definitiv weiter geben, um noch unbekannte Künstler:innen und Bands zu unterstützen und kleine Schätze ausgraben zu können.