Unter dem Radar #14: Conny

Das zu machen, was man unbedingt machen will, ist nicht immer so einfach wie man es sich vorstellt. Ist es das trotz Unsicherheiten wert? Rapper Conny ist das absolute Positivbeispiel.
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Heimatstadt: Köln
Genre: Rap
Bisher veröffentlicht: „Stadtlandflucht“-EP (Kollaboration mit Pimf); „Temporär für immer“
Für Fans von: 3Plusss, Sorgenkind

Es ist wohl eines der ältesten Studienfächer der Welt, allerdings auch eines der finanziell unergiebigsten. Philosophen bekommen in unserer Gesellschaft nicht mehr die Anerkennung, die ihnen noch im alten Griechenland oder Rom zu Teil wurde. Und doch erfreut sich das Fach großer Beliebtheit, obwohl die Verdienstmöglichkeiten recht überschaubar bleiben. Grund genug für Conny, noch ein weiteres Fach zu belegen und seinen Bachelor in Informatik zu machen. Schon dieser Realismus in so jungen Jahren ist nicht selbstverständlich. Auch nach dem Studium scheut er das Risiko nicht. Mit zwei Kommilitonen macht er sich in Köln selbstständig und eröffnet eine Medienagentur mit dem Schwerpunkt auf Onlineshops. Doch wie das eben so ist, wenn man älter wird – die Prioritäten verschieben sich. Wollen die einen eine Familie gründen oder ein Haus bauen, ist der andere vielleicht noch nicht bereit dazu. „Mir war klar, dass ich noch ein paar Jahre richtig Gas geben will und Unabhängigkeit brauche“, erklärt Conny. So geht im Guten auseinander. Conny nimmt für vier Tage die Woche eine Anstellung wahr und nutzt den Rest der Zeit, um in sich zu gehen und zu überlegen, wie es weitergehen soll. So kommt es zu einem großen Projekt: seinem eigenen Theaterstück.

„Lieder über Lara“ wird am Metropol Theater in Köln aufgeführt. Conny hat das Stück nicht nur geschrieben, sondern auch einen Soundtrack aus sechs Tracks produziert, diesen in eine EP gepackt und bei jeder Aufführung live performt. „Lieder über Lara“ ist ein sehr modernes Stück, welches sich aber an den klassischen Elementen der Tragödie und der Komödie orientiert. Es handelt von zwei jungen Männern, die sich der Freiheit und Freuden der schnellen Liebe bei Tinder und Co. erfreuen. Doch das ändert sich, als Lara in ihr Leben tritt und einem der beiden gehörig den Kopf verdreht. „Lieder über Lara“ wird von 2018 bis Anfang 2019 aufgeführt. Hilfe bei der Produktion hatte Conny von ganz besonderen Freunden, denn neben seinem Studium und seiner Arbeit ist er auch konstant in einer Rap-Crew aktiv. Zusammen mit dem Rapper Elmäx und den Produzenten Elias und Dom – übrigens der gleiche Dom, der auch bei den Rogers hinter den Drums sitzt – ist er im Battlerap unterwegs. Doch wie bringt man sein eigenes Stück in ein Theater? Die Antwort ist hier ganz einfach: Beziehungen. „Ich habe glücklicherweise eine sehr gute Beziehung zur Leitung des Metropol Theaters in Köln. Dort habe ich meine Idee von einem Rap-Theaterstück präsentiert und von Beginn an viel Unterstützung erhalten – sowohl beim Schreiben des Stücks, als auch bei der Inszenierung.“

Und dann geht es auch schon wieder von vorne los. Die Zeit nach einem solchen Projekt ist immer besonders hart, wenn noch nicht klar ist, wie es weitergehen soll. „Wenn so ein großes Projekt zu Ende geht, entsteht natürlich immer ein Loch. Aber ich habe versucht, mich direkt auf das nächste Projekt zu stürzen.“ Mit seinem Kumpel Pimf schließt sich Conny für zwei Wochen deswegen regelrecht ein, um eine neue Platte zu machen.“Für uns ging es auch darum, einander kennenzulernen. Wir hatten zwar vorher schonmal ein Feature aufgenommen, aber so wirklich miteinander abgehangen hatten wir noch nicht.“ Herauskommt die „Stadtlandflucht“-EP, deren zentrales Thema im Titel steckt. Sei es die Flucht vor den eigenen Ansprüchen, die Flucht vor Angst, aber auch die Rückkehr nach der Flucht. Als Support von Sorgenkind geht es auf Tour durch die Republik.

Nun sind neue Tracks in Arbeit. Die Battlerap-Tage sind endgültig vorbei. Wobei, ganz vorbei? In seinem Track „Sisyphos“ lässt Conny schon anklingen, dass er politisch Ahnung hat und sich entsprechend zu Themen ausdrücken muss. Und das möchte er auch weiterhin tun. Conny fühlt sich als Künstler verpflichtet, seine Reichweite für einen guten Zweck zu nutzen.

Doch was macht seine Musik aus? Schwere. Conny erzählt Geschichten, meistens aus der Ich-Perspektive. Oftmals sind die Storys nicht ganz wahr und bilden trotzdem den Ausgangspunkt. Das ist etwas, was man selbst kennt. Man fühlt viel mehr mit dem Künstler, wenn die Geschichte nur gut genug erzählt ist, sodass man sie glauben könnte. So ist Conny immer sehr nah am Hörer. Er erzählt Geschichten, die einem auch selbst passiert sein können, er fasst Gedanken auf, die jeder schonmal gedacht hat.

Conny ist noch jung, hat schon viel erreicht, aber hat auch noch großes vor. Conny, Elmäx und die übrigen Teile seiner Crew „Plot“ haben sich wieder zusammengetan und sich mit großen Plänen ins Studio begeben. Er selbst hat mit „Wodka Emotion“ schon die zweite Single seiner kommenden „Temporär für immer“-EP veröffentlicht. Doch sein großes Ziel steht noch aus: ein eigenes Album.