Tequila & The Sunrise Gang und "Home": Alles richtig gemacht

Für jeden der sich gerade durch Job, Klausuren oder der seltsamen Gesamtsituation der Erde gestresst fühlt, für den hat das Kieler Oktett Tequila & The Sunrise Gang zwölf grandiose Songs auf seinem neuen Album “Home” vereint, um besser als jeder Radiomoderator den Kampf gegen die morgendlich-muffelige Frühe und den Alltagsstress zu gewinnen.

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Mit dem Opener “Under Pressure” spricht die Band ebenjenes Gefühl des ständigen Rennens, Gehetztseins und des alltäglichen Stresses an und verjagt dieses prompt mit einem Ohrwurm, der einen bestgelaunt durch den Tag bringt. Um allen Songs gerecht zu werden muss gesagt werden, dass das fast jeder Song schafft. Ohrwürmer gibt es zuhauf auf dem sechsten Studioalbum von Tequila & The Sunrise Gang, kleine Spoilerwarnung.  

Der nachfolgende Song “Heart Of Gold” ist nicht nur schön an das Artwork des Albumcovers gekoppelt, sondern überrascht auch mit den anfänglichen hawaiianischen Klängen, um dann doch in Richtung jamaikanischen Reggae überzugehen. Spannend an Tequila & The Sunrise Gang ist, dass sie es verstehen, politisch und gesellschaftlich relevante Themen in poppige, spannungsvolle Kompositionen zu packen. Ähnlich wie Sting dies tat und immer noch macht, liefern die Kieler für den ersten Höreindruck Party- und Festivaltaugliche Songs, die, wenn man sie textlich unter die Lupe nimmt, nicht nur großartig in Komposition, sondern auch im lyrischem Ausdruck sind. Ein raffiniert eingefädelter roter Faden und eine tolle thematische Kombination aus Liebeserklärung an sein zu Hause und viel diskutierten politischen Themen. 

 

Eine Gaststimme ist auf dem Album auch vertreten, nämlich von keinem geringeren als Tim Vantol, ebenfalls aus dem Hause Uncle M. Er verleiht dem Stück “I’ll Be Gone” noch einen weiteren tollen musikalischen Faktor. Spätestens jetzt lohnt es sich, dieses Album auswendig mitsingen zu können. 

Der eingefleischte Fan fragt sich bei dem ein oder anderen Stück der Platte schon, was Sänger René Unger alles so in seinen Künstlertee gemischt hat, denn Tequila & The Sunrise Gang überraschen tatsächlich mit Billy-Talent-ähnlich geschrienen Parts wie in den Songs “Seize the Day” und “Kick It”, allerdings mit eher Dur-Lastigen Klängen. Beide sind gelungene Kompositionen mit hervorragender und zum Teil überraschender Spannungskurve. 

Nach dem knallenden Anfang des Songs “Kick it” erwartet man nicht, dass auf einmal die bekannten Reggaevibes mitsamt Orgel und, dare I say it, leichter Cowbell im Hintergrund auf einmal einsetzen. Der gesamte Song ist ein Fiesta-Feuerwerk mit schön verpackter politischer Botschaft. Gegen Hass, gegen Angst. “Break your silence, don’t refuse to turn away”. Der Song “Seize The Day” überrascht als Höhepunkt mit ausdrucksstarkem Sprechgesang, nachdem der Song doch einigermaßen ruhig beginnt und sogar “La La Las” im Refrain aufweist. 

Durch das gesamte Album zieht sich (wie immer) ein großartiges Zusammenspiel von Backgroundgesang und Bläsersektion. Untermalt mit Orgelklängen und ausdrucksstarkem Gesang ist das Zuhören eine wahre Wonne. Man möchte sofort wieder Konzerte besuchen können so wie es gewohnt ist, denn die Kieler Ska-Punk-Band verwandelt innere Spannungen in ausgelassene Tanzlaune.

 

Fazit

8
Wertung

Ein durch und durch großartiges, facettenreiches Album mit viel Herzblut, Spaß und Relevanz. Starke Kompositionen, Dynamik und Botschaft und ein kleines Augenzwinkern hier und da - Tequila & the Sunrise Gang haben alles richtig gemacht. Dieses Album macht einfach Spaß zu hören - und in hoffentlich nicht all zu ferner Zukunft auch live zu erleben. 

Jan-Severin Irsch