Moritz' Jahresrückblick 2019

So ganz mitgekommen bin ich dieses Jahr wirklich nicht. Ich weiß nicht mal genau welcher Hype in 2019 oder noch in 2018 war. Und entgegen meiner Erwartungen war mein Jahr stark geprägt von Rap! Aber auch altgediente Wegbegleiter waren endlich wieder da. Wobei auch das Probleme bereitet hat.
Jahresrückblick Moritz

Künstler des Jahres/Album des Jahres/Live-Act des Jahres/Song des Jahres: Fatoni - „Andorra“

Ja, der Hype um Fatoni ging auch an mir nicht vorbei. Und einfach alles, was dieser Mann im Jahr 2019 in die Hand genommen hat wurde zu Gold. Album? Der Wahnsinn! Featuregast für Moop Mama oder Max Herre? Mit Links! Eine Tour über mehrere Monate durch das deutschsprachige Europa? Natürlich! Und dann kurz vor den Feiertagen mal eben den legendären Reinald Grebe auf der Bühne beiwohnen? Mit Links. Dazu steuerte er mit "Alles zieht vorbei" zusammen mit Dirk von Lotzow den Track des Jahres für mich bei. Fatoni hat mein Jahr geprägt, mit seinen selbstreferenzierenden Texten, mit seiner Haltung gegen Rechts, die er zeigt, wann immer er kann. Mit seinem Humor, mit seiner wunderbaren Live-Performance, die mir das beste Konzert des Jahres geboten hat. Danke Fatoni.

Neuentdeckung des Jahres: Youth Okay

Die Ideen von Youth Okays Debütalbum „Turns“ haben mich sofort überzeugt. Effektbelegte Blechbläser? Brass FX? Geiler Scheiss! Und doch waren es letztendlich diese Texte, die mich wirklich eingefangen haben. So wie einige andere haben sich Youth Okay mit dem Thema Depressionen auseinander gesetzt und es, im Gegensatz zu vielen anderen, aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Und das auf dem Debütalbum. Einfach Wow.

 

Enttäuschung des Jahres aufgrund falscher Erwartungen: Weezer

Wieso macht man das? Irgendwas erwarten? Weezer-Fans haben bekanntlich viel Humor, doch die Combo um Rivers Cuomo reizt das mächtig aus. Was sollte das schwarze Album denn werden? Der dunkle große Bruder des weißen und grünen Albums, der böse Zwilling des eh schon bösen „Pinkerton“. So wurde lange und oft geredet. Was das schwarze Album dann wurde, machte fassungslos. Pop, soweit das Auge reicht. Und das schlimmste ist, es ist guter Pop, genau so muss Pop von Weezer klingen. Aber scheiße noch eins, das ist nicht das Album, das mir versprochen wurde. Beziehungsweise was ich mir erträumt habe. Inzwischen habe ich mich selber in das Album verliebt, doch das hat auch ein Jahr gedauert. Und es hat die Veröffentlichung der Single für das nächste Jahr gebraucht. Und wenn „Van Weezer“ das nicht alles wieder gut machen kann, das schwarze Album und „Pacific Daydream“, dann habe ich Weezer nicht mehr lieb! Oder ich warte aufs nächste Album und sage es einfach dann nochmal.

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Wichtigstes und beinahe bestes Album des Jahres: I, Prevail mit „Trauma“

I, Prevail haben auf „Trauma“ nicht nur die akkurateste Beschreibung von Depressionen präsentiert, sondern mal eben auch meine Genregrenzen gesprengt. Nirgends im Nu Metal wurden Metal oder Metalcore und Rap so kongenial gemischt wie auf „Trauma“. So hat mich „Trauma“ in jeglicher Hinsicht überwältigt.

I Prevail Trauma Cover

Unnötigstes Comback des Jahres: The Flesh Eater mit „I Used To Be Pretty“

Es gibt für mich kein Album, welches mehr Fragen aufgeworfen hat. Jede zweite davon lautet einfach: „Wieso?“ 39 Jahre nach dem Debütalbum treten The Flesh Eater mit „I Used To Be Pretty“ in Originalbesetzung ins Rampenlicht. Damit haben sie sich keinen Gefallen getan. In den Anfangsjahren der Band war dieser unausgereifte Mix aus Soul, Punk und Jazz noch irgendwie charmant, heute wirkt er einfach nur peinlich. Satanic Surfers sind das Paradebeispiel, dass man die Musik seiner jungen Jahre immer noch spielen kann, aber dabei trotzdem den Eindruck erwecken kann, erwachsen geworden zu sein. The Flesh Eaters sind schlichtweg nicht erwachsen geworden. So wird aus Charme Scham.

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Mein Bühnenmoment des Jahres: Hannover, irgendwo in der Nähe vom Ei

Es war nicht direkt eine Bühne, es war auch nicht viel Publikum, es waren mehr zwei Betrunkene, die aus Tradition PUP singen. Bei unserem AdW-Treffen in Hannover haben Jakob und ich zum wiederholten Male „If This Tour Doesn't Kill You, I Will“ von PUP zum Besten gegeben und ich konnte die Begeisterung unserer Begleiter sofort spüren, sie liefen schneller und hielten Abstand. Und da war mir einfach klar, ich muss auf eine Bühne. Hat zufällig jemand eine Bühne?

Mein AdW-Moment des Jahres: Der Plattensprung und der Themenmonat

Was habe ich mich auf dieses Projekt gefreut. Und wie lange ist es an Lappalien gescheitert. Und wie groß war die Freude, als bei der Aufnahme zur ersten Folge mein geschätzter und geliebter Podcast-Harry Merten sein erstes „Moin-Moin“ ins Mikrofon wemmste. Denn da war das Gefühl, es einfach geschafft zu haben. Jetzt konnte passieren was wolle, selbst wenn sich keiner den Podcast anhören würde, hier läuft jetzt was. Das Gefühl wurde in der zweiten Folge gleich wieder erreicht, als wir über den ersten Themenmonat geredet haben. Es war ein Moment voller Stolz. Stolz, Teil dieses großartigen Fanzines zu sein, mit so vielen großartigen und endlos kreativen Menschen. Da musste ich mir recht intensiv ein Tränchen verdrücken

Bestes Storytelling auf einem Album: Thees Uhlmann auf „Junkies und Scientologen“

Da möchte ich eigentlich gar nicht so viel sagen, das muss man einfach gehört haben. „Avicii“, „Danke für die Angst“ und „Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach Hiphop-Videodrehs nach Hause fährt“. Die Geschichten sind sensationell, wie es Uhlmann selbst ist. Jeder Leser seiner Bücher weiß, was ich meine. Wer das nicht getan hat, der soll das gefälligst nachholen. Kann ja wohl nicht wahr sein!

Thees Uhlmann Junkies und Scientologen Cover

Unverständlichster Hype des Jahres: Tool

Will es mir jemand erklären? Halt, ich glaube, ich will es gar nicht wissen.

Verständlichster Hype des Jahres: Rammstein

Ich bin Riesenfan, daher konnten mir die eher schwachen Songs des Albums nicht schockieren. Denn die, die mir gefallen haben, haben mich nicht mehr losgelassen. „Deutschland“, „Radio“, „Zeig Dich“, diese Tracks schmücken jede meiner Best-Of-Playlists des Jahres. Der Hype hat mich überrollt, aber vermutlich auch nur, weil ich es bedingungslos zugelassen habe.

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Fanzine des Jahres/Website des Jahres/Organisation des Jahres: Album der Woche

(Mic drops!)

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