Retro Review: Warum Danger Dan schon immer Klavierspieler war

Danger Dan und sein Klavier. Schon 2008 sieht sich der Antilopen-Rapper mehr als Klavierspieler. Trotzdem kann er sich vom Begriff des Rappers nicht losreißen, obwohl ihn eigentlich fast jeder andere Interpret dieser Sparte mit seinen Texten zur Weißglut bringt.
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Mit seiner neuen Soloplatte hat es Danger Dan geschafft und endlich ein komplettes Klavieralbum produziert. Dabei bezeichnet er sich schon seit seinem ersten Soloalbum als Klavierspieler und sieht Hip-Hop mehr als Lückenfüller. Seine „Coming Out"-EP ist beladen mit Selbstironie und einem eher unausgereiftem Klassik-Touch.

„Es tut mir Leid, dass ich ein Rapper bin. Bitte sprecht mich nicht drauf an und nennt mich in der Öffentlichkeit immer Danger!“

 

So ganz weiß Danger Dan auch nicht, wer er sein will. Einerseits bezeichnet er sich als Rapper, will aber mit den restlichen Rappern auf keinen Fall assoziiert werden. Gleichzeitig steckt in ihm gewissermaßen auch ein Klavierspieler. Kurzum kombiniert er beides und holt sich noch ein paar Streicher dazu.

Mit einer guten Portion Selbstironie erklärt Danger Dan Telefone und Dinge wie Skype für überflüssig. Wer etwas will, soll ihm gefälligst einen Zettel an die Tür kleben. Ob er dann darauf antwortet, ist wieder eine andere Sache. Das Handy in der Hosentasche lässt sich eben nicht mit dem Gefühl von Freiheit vereinbaren. Gemeinsam mit Panik Panzer, der auch in den restlichen Songs mitgewirkt hat, rappt Danger Dan über das Kommunikationszeitalter beziehungsweise über dessen Anfänge. Denn mittlerweile hat wirklich fast jeder ein Handy in der Hosentasche.

Da ihm ja sonst anscheinend keiner einen Brief schreibt, muss sich Danger Dan wohl selbst einen schreiben. Mit dem Track „Private Altersvorsorge“ hat er in seinem Album „Reflexionen aus dem beschönigten Leben“ abgerechnet. Der Flow könnte besser sein und textlich hinkt er auch eher hinterher. Und trotzdem hat er gewissermaßen recht. Zwischen dem ganzen Witz, mit dem Danger Dan seine Songs bestückt, wird er in „Private Altersvorsorge“ ernst und erzählt von dem Leben, das er jetzt gerade lebt und wie es ihm wohl in zehn Jahren ergehen wird.

Was ihm an Ernsthaftigkeit noch fehlt, macht Danger Dan mit seiner humorvollen Herangehensweise an verschiedenste Themen wett. Seit 2008 ist auch bei ihm ziemlich viel passiert. Die Haare mussten weichen, die "Anti Alles"-Aktion musste sterben, um Platz für die Antilopen Gang zu machen und aus Auftritt in Jugendzentren sind ausverkaufte Touren mit etlichen Zusatzkonzerten geworden. Man könnte fast meinen, das Einzige, was sich seit dieser Soloplatte nicht geändert hat, ist die Myspace-Seite von Danger Dan.