Pabst und „Deuce Ex Machina“: Grunge? Nevermind.

Das Debütalbum des Berliner Trios Pabst ist – nicht ganz zu Unrecht – als kleines Grunge-Revival gefeiert worden. Falls die Kreuzberger etwaige Vergleiche dieses Mal unterbinden wollten, machen sie einen semi-guten Job. Alles andere auf „Deuce Ex Machina“ gelingt ihnen hingegen großartig.
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Zugegeben, Pabst haben es auch nicht einfach: Drei Typen mit Kurt-Cobain-Gedächtnis-Frisuren und ausgewaschenen Jeans-Klamotten, die kratzige Gitarrenmusik mit ebenso kratzigen Texten machen – da hat man den Grunge-Stempel bereits gezückt, noch bevor die Platte auf dem Teller liegt. Ganz gerecht wird man dem Trio dadurch nicht, bot doch bereits das Debütalbum „Chlorine“ einen deutlich ausdifferenzierteren Stil, ebenso beeinflusst von Garage, Indie und Fuzz-Rock, ja sogar Surf- und Psychedelic-Einflüsse konnte man ausmachen. Doch wer Gift- und Galle-spuckende Texte so meisterhaft in ein verschlissen-schönes Klangkostüm zu kleiden weiß, der darf sich auch über die Etikettierung nicht wundern. Und, naja, Songzeilen wie „I’m trash / throw me away“ lassen eine gewisse geistige Nähe zu „I hate myself and i want to die“ dann auch nicht verkennen.

„Deuce Ex Machina“ schmeißt nun noch ein paar catchige Hooks und Schellenkränze mehr in den Topf, ansonsten bleiben sich die Berliner jedoch treu. Abermals drehen Pabst Verstärker- und Fuzz-Effekte auf Anschlag – und dann noch ein kleines Stück weiter, damit auch definitiv genug Knarzen und Scheppern aus den Boxen dringt. Dass dies zu keiner Zeit anstrengend wird, liegt zum einen an der verbesserten Produktion sowie am nüchternen Timbre von Leadsänger Erik Heise, dessen Stimme sich wie Honig auf eine ausgefranzte Stahlhaarbürste legt. 

Gleich an zweiter Stelle wartet die Tracklist mit einem Highlight auf: „Ibuprofen“ ist die erste Single des Albums und wahrscheinlich der verspielteste und energiegeladenste Song über Schmerzmittelmissbrauch, der jemals geschrieben wurde. Es folgt „Useless Scum“ samt unverschämt catchigem Refrain und „Legal Tender“ als neuerlicher Fuzz-Brecher. Wie bereits auf dem Vorgängeralbum sorgt ein loungiges Interlude gegen Mitte des Albums für eine dringend benötigte Verschnaufpause, ehe „Fugitive“ wie eine Kreissäge anspringt und „Hell“ gleich mit einem ganzen Ensemble an Schellenkränzen angestapft kommt. Im Vergleich zu diesem wohl inszenierten Übersteuerungsfest erscheint der Closer geradezu schüchtern, doch nicht weniger kraftvoll: „My Apocalypse“ ist eine gefühlvolle Fuzz-Ballade für angeknackste Egos und als solche einfach fantastisch. Bliebe zum Schluss noch die Frage: Ist das jetzt Grunge oder nicht? Und die einzig richtige Antwort: Whatever. Nevermind. 

Fazit

9
Wertung

"Deuce Ex Machina" ist ein energiegeladenes und zugleich unaufgeregtes Fuzz-Fest, mit dem Pabst erneut unter Beweis stellen, dass sie zu den derzeit interessantesten deutschen Bands zählen. 

Felix ten Thoren
8.7
Wertung

Pabst stehen mit ihrer neuen Platte nach wie vor allein auf weiter Flur in Sachen roher musikalischer Energie. Was vermutlich auch daran liegt, dass die gewaltige Menge Fuzz aus den Verstärkern des Trios jegliche Aufholversuche orkangleich auf Abstand pustet. "Deuce Ex Machina" bleibt dem Vorgänger treu und geht an genau den richtigen Stellen eigene Wege. 5 Sterne, gerne wieder!

Kai Weingärtner