Pabst und "Crushed by the Weight of the World": Schatz, das Tonband knarzt!

Pabst machen auf ihrem neuen Album "Crushed by the Weight of the World" genau da weiter, wo sie 2020 aufgehört haben. Schrille Gitarren, viel Rauschen und noch mehr Tempo machen das neue Album der jetzt schon kultigen Berliner erneut zu einem absoluten Highlight.
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Irgendwie sind Pabst ja schon eine Sensation. Während sie mit ihrem ersten Album „Chlorine“ noch sehr unter dem Radar durchflogen, stiegen sie mit „Deuce Ex Machina“ in Höhen auf, die sie nun nicht nur zu einem Liebling der Redaktion, sondern auch zu einer der aufstrebendesten Bands des Genres machen. Nun, in 2022, bringt das Trio aus Berlin ihr neues Album „Crushed by the Weight of the World“ heraus. Und oh Junge, was für ein Trip dieses Album ist.

Falls irgendjemand befürchtet hat, dass Pabst irgendwann mal aufhören, ihre schnelle und energetische Punkseite von sich zu geben, kann er sich nun entspannt zurücklehenn, denn direkt der Introtrack „Dead Ahead“ glänzt mit verzogenen Gitarren, schrillem Gesang und brutaler Indie-Punk Härte, also alles in allem sind Pabst weiterhin die Band, die ihr alle liebt. Mit „Mercy Stroke“, also der ersten Single des Albums, geht die nächste Runde dann auch direkt rückwärts und noch schneller. Der Song spielt schwindelig, setzt Adrenalin frei und lässt das Tanzbein ordentlich jucken. Der hallende Gesang und die schrillen Töne der Instrumente auf den schallernden Drums sind ein geordnetes Chaos, welches seinesgleichen sucht. Diese chaotische Härte findet später im Album ihren Höhepunkt beim Lied „Week Full of Weekends“. Zuerst kam der Gedanke, ob der Mixer des abspielenden Rechners ein Stück zu viel Instrumental hat, so sehr rauscht das ganze im Hintergrund. Schnell wich aber die Verwunderung der reinen Faszination darüber, dass sich diese wirklich laute Distortion passend an alles andere im Song schmiegt und ein einzigartiges Konstrukt ergibt, welches ich mir auch nicht so richtig erklären kann und will.

Aber auch die Indie-Brit-Pop-Schiene wird erneut gelegt. Songs wie „Say My Name“, „Locker Room“ und irgendwo auch „Daddy‘s Boy“ hören sich so an, als hätte man Teile aus Bands wie Blur oder Supergrass geschnitten und etwas an den Instrumentals rumgespielt, sodass sie etwas übersteuern. Diese Dynamik zwischen den einzelnen Songs lässt kaum Atempausen zu. Gerade hat man sich von einem Song wie „Mercy Stroke“ erholt, da ist man schon der Melancholie eines „Locker Room“ ausgesetzt, nur um kurz danach wieder in den rauschenden Mahlstrom geworfen zu werden. Auch lyrisch sind Pabst erneut dort, wo es am meisten wehtun sollte, dies verrät schon der Albumtitel. Themen wie die gebeutelte Jugend, dem Einzelgängerdasein oder dem Versteckspiel vor der Außenwelt treffen durch die letzten zwei Jahre so sehr zu, dass sich sicher genug Leute, die diese Musik anspricht, irgendwo wiederfinden, selbst wenn diese Zeit lang hinter ihnen liegt.

Pabst bleiben so, wie wir alle sie lieben und nebenbei hiefen sie ihren Sound und das kreative Durcheinander noch einmal auf eine höre Stufe, als sie es schon bei „Deuce Ex Machina“ getan haben. „Crushed by the Weight of the World“ ist mehr laute Gitarrenmusik, mehr emotionaler Indie-Pop/Punk und mehr Härte und Tempo im gewohnten Pabst-Sound. Diese Band hat noch einiges vor sich und dazu kann man sie nur immer wieder beglückwünschen!

Fazit

9.5
Wertung

Wisst ihr, nie hätte ich gedacht, dass Pabst einen Song wie „Ibuprofen“ noch einmal übertreffen. Aber Tracks wie „Dead Ahead“, „Mercy Stroke“ und „Never Again“ schaffen für mich genau das. Und da endet „Crushed by the Weight of the World“ ja nicht. Die gesamte Platte besteht aus Verwunderung, Härte, Melancholie, lyrischer Finesse und sagenhaft viel Rauschen. Oftmals wusste ich gar nicht, wo ich zuerst hinhören soll. Dieses Album macht einfach Spaß. Nicht der Spaß, den man bei einem 08/15 Action Movie empfindet, sondern eher der, den man mit einem dauerhaft spannenden Thriller hat, in welchem oft spektakulär Sachen explodieren.

Dave Mante