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Long Distance Calling und „Boundless“: Soundtrack Erde

Sa, 03.02.2018 - 17:13
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – eine gebräuchliche Redewendung, althergebracht und auf viele Naturphänomene anwendbar. Dass auch ein Klangzusammenspiel vergleichbare Effekte erzeugen kann, wird auf „Boundless“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Umweltschonendes Handeln, Arten- und Tierschutz, sowie das Reisen generell: Die Natur steht wieder im Fokus. Long Distance Calling präsentieren, knapp zwei Jahre nach „Trips“, ihr neues Werk unter genau diesem Motto. Grenzenlos, unbegrenzt, uneingeschränkt - wie man den Titel auch übersetzen möchte, irgendwie scheinen alle Begriffe zu passen. Das Plattencover, irgendwo im nirgendwo aufgenommen, wurde konzeptionell betrachtet haargenau richtig gewählt. Ähnlich verhält es sich mit den Songtiteln. Sie alle beschreiben das große Ganze, derartige Themen werden immer wieder aufgegriffen. 

Doch beginnen wir chronologisch. Auf „Out There“, drückt das massive Schlagzeugspiel den Hörer direkt in den Sessel. Ein Intro ist nicht vorhanden, wird aber auch nicht vermisst. Pompöse Abschnitte mit raffiniertem Gitarrenspiel wechseln sich stets mit ruhigen Passagen ab. Letztere werden, gemäß der Grundausrichtung, stets ohne Genre-Grenzen gestaltet. So bietet „In the Clouds“ ein Intermezzo mit Klanghölzern und hintergründigen Bongos. Vor Klavierparts, die die Gefahr eines gewissen Kitsch-Faktors bergen, schrecken Long Distance Calling nicht zurück. Erfolgreich, wie „On the Verge“ bezeugt.

Im Verlauf von „The Far Side“ entstehen zwischenzeitig Assoziationen zu Black Sabbath. Das kann an dem düsteren, schweren Klang liegen, der mit einem aufziehenden Gewitter verglichen werden kann. Wirklich gelungen! Auch im Fall von „Like a River“ denkt man unwillkürlich an einen Fluss, ohne den Songtitel präsent zu haben. Die immense Dynamik zeig den Flusslauf vor dem inneren Auge; vom seichten Gewässer bis zur Stromschnelle. „Weightless“ ist ein weiterer Vertreter dieser Gattung. Anfangs entsteht der Eindruck, man stehe am Eingang einer Tropfsteinhöhle.

Sollte man sich zwischenzeitig fragen, ob vereinzelte Gesangsspuren das Gesamtbild noch vertiefen würden, so kann man dies ohne Umschweife mit „nein“ beantworten. Den ausladenden Schluss von „Skydivers“ hat sich „Boundless“ redlich verdient. Ein knapp 50-minütiger Roadtrip endet an dieser Stelle.

Insgesamt ist „Boundless“ ein unheimlich durchdachtes Werk. Klangliche Details an jeder Stelle erschaffen ein großformatiges Gesamtbild. Es stellt sich die Frage, wann ein findiger Hollywood-Regisseur bei Long Distance Calling anklopfen wird, weil er einen Soundtrack für seinen Kinostreifen sucht.