Booze Cruise Label-Spotlight #2: Fond Of Life

Das Booze Cruise Festival hat sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten Punkrock-Mekka gemausert, bei dem sich eine leidenschaftliche DIY-Szene aus der ganzen Welt versammelt. Wir nehmen das Festival, das vom 7. Bis zum 10. Juni in Hamburg stattfinden wird, zum Anlass, um einmal auf die Menschen hinter den Kulissen zu schauen. Im zweiten Teil unseres Label-Spotlights beschäftigen wir uns mit Fond Of Life Records.
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Das Event, das nun bereits zum vierten Mal stattfindet, ist Jahr für Jahr nicht nur ein großes Ereignis für Punkrock-Bands und Fans, sondern auch für zahlreiche begeisterte Labelmacher in ganz Deutschland. Denn zum Glück gibt es sie nämlich noch, die kleinen Labels, die das, was ihnen manchmal an Mitteln fehlt, mit viel Herzblut ausgleichen. Punk und DIY sowohl als Attitüde als auch im Klang. So auch das kleine Ein-Mann-Label Fond Of Life Records aus dem Saarland, das nun schon länger eine Perle nach der anderen veröffentlicht. Passend dazu schreibt das Label sich selbst neben ausgewählten Bands auch eine positive Attitüde auf die Fahne, arbeitet es nach eigener Aussage schließlich nur mit „antirassistischen, antisexistisch und vorurteilsfreien Bands, die den Glauben an Frieden und Einheit unterstützen.“ An Sympathiepunkten mangelt es ihnen also nicht, ebenso wenig an Leidenschaft: „Musik ist das, was mich morgens aufstehen, und nachts einschlafen lässt. Sie ist meine Poesie, Therapie, Leidenschaft und mein Leben“, so Gründer und Kopf Joe. Sein Hobby bezeichnet er weniger als Label, denn als eine „stetig wachsende Fond-Of-Life-Familie“.

Ein Mindset, das man auch der Auswahl seiner Bands anmerkt. Denn auch, wenn sich das klangliche Erscheinungsbild von Emo in den letzten Jahren stark Richtung HipHop gewandelt hat, wird der gute alte 90er-Sound zum Glück noch bei einigen Romantikern hochgehalten –und hat bei Fond Of Life einen wichtigen Unterstützer gewonnen. So auch bei dem Quartett Rowan Oak – die Bandmitglieder sind zwar die meiste Zeit über im ganzen Land verteilt, ihre Homebase hat das Quartett aber in der DIY-Szene Münsters. Mit ihrer Debüt-Vinyl „Hope And Ruin“ haben die Jungs ihre erste Veröffentlichung bei Fond Of Life im Schlepptau und sich in den letzten Monaten durch zahlreiche Clubs und Kneipen gekämpft, um im Juni auch die Hansestadt unsicher zu machen – mit einem Sound, der vielleicht keinen Preis für Innovation gewinnt, der das Booze-Cruise-Publikum und alle Freunde handgemachten 90er-Emopunks aber ziemlich glücklich machen dürfte.

Ähnlich erdig und gitarrenlastig kommen Bands wie Resolutions oder Hell&Back daher. Erstere veröffentlichten 2016 mit ihrem Debütalbum „Weightless“ ein wildes Ungetüm aus DIY-Punk, Indierock, Grunge und Heartcore. Die Hannoveraner pressen Garagen-Lärm ins Gewand von mitsingbaren Popsongs und sind sich im Zuge dessen auch für keine catchy Hookline zu schade. Hell&Back dagegen sind so etwas wie die Quint-Essenz von Fond Of Life Records. Das Label hat seinen Sound stilsicher gefunden, und die Stuttgarter machen da keine Ausnahme: Ihr jüngstes Werk „Slowlife“ von 2017 bewegt sich mit seinem melodischen Punkrock, den leichten Emo-Referenzen, der nötigen Rohe und einem Gespür für große Melodien auf den Fährten von beispielweise Apologies, I Have None oder Spanish Love Songs. Krach machen per Definition ja alle Fond-Of-Life-Bands, Hell&Back bringen dazu aber noch eine schöne Portion Melancholie rein.