Rowan Oak und "Hope And Ruin": Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Die zweite EP der vierköpfigen Münsteraner Emopunk-Formation beeindruckt in vielfacher Hinsicht und überzeugt durch eine Mischung aus druckvollem und warmem Sound in Kombination mit der Stimme von Sänger Florian, die nur so für den (Emo-)Punk gemacht zu sein scheint.
Rowan Oak Hope And Ruin Cover

Rowan Oak sehen ihre Vorbilder in Bands der Neunziger. Jimmy Eat World, Texas Is The Reason oder Sense Field begeistern die heutigen Bandmitglieder durch Punkmusik, in der die eigenen Gefühle im Vordergrund stehen. Emo ging im Laufe der Zeit unter, wurde durch andere Genres verdrängt und ersetzt und erlebte schließlich sein verdientes Revival. Seit 2012 reiten auch Rowan Oak die Welle des emotionalen Punkrocks und drücken ihre eigenen Gefühle in ansprechenden, abwechslungsreichen Songs aus.

"Hope And Ruin" erscheint nun, ungewöhnlicherweise, lediglich als Vinyl-LP und Digital. Das Erscheinungsbild der LP ist bereits ein Highlight für sich. Sie begeistert durch eine wunderschöne Aufmachung, ist einseitig bespielt und auf der anderen Seite mit einem Kunstdruck verziert. Sowohl das Cover als auch diesen Kunstdruck ziert eine Pflanze, welche auf der LP die Hälfte ihrer Blätter hängen lässt, auf dem Cover in voller Pracht erstrahlt. Dieses Bild symbolisiert sehr gut das auf und ab und die Abwechslung in der Musik der Band, welche uns durch diese Rezension begleiten werden.

Das zweite Highlight der EP ist das Wesentliche, die Musik. "Hope And Ruin" ist fünf Songs stark und wird mit dem Titel "Build / Burn" eröffnet, den die Band ihren Fans bereits vorab digital zur Verfügung stellte. Der Track handelt davon, dass alle guten Zeiten ein Ende haben müssen und sich die guten und schlechten Zeiten im Leben nun mal die Klinke in die Hand geben – Deutschlands bekannteste Seifenoper lässt grüßen. Rowak Oak besingen beispielsweise als Symbol einen Turm mit fantastischer Aussicht, den man mit eigenen Händen aufbaut, nur um ihn selbst wieder einzureißen. Die Jungs teilen sich auf der gesamten EP sehr bildlich mit und feuern die eigene Vorstellung dadurch an. Das lässt einen das ein oder andere Mal über die gehörte Zeile nachdenken, sodass diese zwangsläufig hängen bleibt. Musikalisch ist "Build / Burn" eine Medaille mit zwei Seiten. Schnelle und harte Parts wechseln sich mit gefühlvollen ab, Florians Gesang geht diese Abwechslung mit. In den härteren Passagen fühlt man sich an den Gesang von Punkgrößen wie Less Than Jake oder I Against I erinnert. Definitiv kein Nachteil, wenn man als Hörer solche Vergleiche ziehen kann.

Ein weiteres Highlight ist die starke Präsenz und Produktion des Bass. Zu Beginn von "Dead In The Water" bekommt Bassist Alex seine Zeit, um alleine mit Drummer Moritz auf sich aufmerksam zu machen. Hat man diesen Part gehört, klammert sich das Gehör den gesamten Titel am Bass fest. Auch "The Distance" wird basslastig eingeleitet, um anschließend langsam und schnell, im Wechsel laut und leise nach dem bekannten Muster der Band vonstatten zu gehen.

Als langsamere, emotionalere Songs fungieren "Yearn To Be Free" und "Better Self". Ersterer thematisiert die Bedeutung von Freundschaften und Zusammenhalt, zweiterer den positiven Einfluss eines anderen Menschen auf das eigene Sein. "Better Self" nimmt zum Ende hin sogar nochmal richtig Fahrt auf. Wie angesprochen: es geht auf und ab, im Leben und auch in der Musik von Rowan Oak. Die Münsteraner legen ihre Gefühlswelten offen und lassen als einziges Manko zu, dass man sich aufgrund der begrenzten Anzahl an Titeln auf "Hope And Ruin" irgendwann der Eintönigkeit ausgesetzt sieht und einfach mehr will. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Fazit

7
Wertung

Meine ersten Berührungspunkte mit Punkmusik machte ich in jungen Jahren durch mein damaliges Lieblings-Playstationspiel "Street Sk8er", dessen Soundtrack aus Punksongs bestand, von denen viele heute noch fest in meinen Playlists verankert sind. Hätte man Rowan Oak damals in dieses Spiel eingebaut, ich würde sie heute noch in einem Rutsch mit Less Than Jake, I Against I oder H2O hören.

Mark Schneider