Zwei Alben lang zelebrierten die Chemnitzer Kraftklub wahninnig zappeligen Indierock mit ironisch-augenzwinkernden Texten. Die Songs des Quintetts waren stets ein Garant für ausgelassene Tänze und zeugten mit ihren mit ihren gewitzten Lyrics von großer Intelligenz und kreativer Vielfalt. Nun schreiben wir das Jahr 2017, und die Band steht vor der heiklen Aufgabe der dritten Platte. Innovation und Frische müssen her. Eine Herausforderung, der sich die Band mit Einfallsreichtum stellt, ohne dabei ihre Wurzeln zu vergessen.
Dabei klingt gerade der Einstieg in „Keine Nacht für Niemand“ so, als würden Kraftklub alles beim Alten belassen. Das funkige Riff von „Band mit dem K“ klingt schon fast wie eine Nachbildung der Melodie aus „Blau“. Songs wie „Leben ruinieren“ oder „Sklave“ schlagen dagegen schon eine andere Kehrtwende ein. Die ungewöhnliche Dominanz schrill-wummernder Disco-Synthesizer erweist sich als Neuerung, die sich hervorragend in den ausgeflippten Sound der Chemnitzer einfügt. Insgesamt gibt sich die neue Platte etwas zahmer als ihre Vorgänger und legt den Fokus mehr auf Felix Brummers freche Hip-Hop-Vorträge. Das führt auch dazu, dass die Texte sich noch deutlicher in den Vordergrund drängen. Diese zeichnen sich noch immer durch ihre typische Ironie aus, trauen sich dabei aber auch immer öfter, ernste Gesellschaftskritik zu äußern. Ein Highlight ist hier die bereits vorab veröffentlichte Single „Fenster“, die sich mit bissigem Zynismus gegen verquere Verschwörungstheoretiker auflehnt. Der Gastauftritt von Farin Urlaub zeigt an dieser Stelle mit aller Deutlichkeit, dass Kraftklub vielleicht eines Tages die einzigen legitimen Erben der Ärzte sein könnten.