Callejon und „Metropolis“: Zurück auf hoher See!

Das inklusive Coveralben neunte Studioalbum der Rheinländer Metalcore-Band erfüllt die im Vorfeld geschürten Hoffnungen auf einen Rückschritt in Richtung alter Tage. Der Stil der Vorgängeralben bleibt dabei eindeutig und endlich auf der Strecke.
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Über drei Jahre ist die letzte ernstzunehmende Platte von Callejon nun schon alt, das im letzten Jahr erschienene Rap-Coveralbum „Hartgeld im Club“ klammern wir an dieser Stelle aus. „Fandigo“ erblickte im Juli des Jahres 2017 das Licht der Welt und hinterließ große Diskussionen in der ab diesem Zeitpunkt gespaltenen Zuhörerschaft. Auch wenn es ein Stück weit normal ist, dass nicht alle Fans einer Gruppe von Neuerveröffentlichungen begeistert sind, hatte man bei „Fandigo“ das Gefühl, dass der zu große Stilbruch bei nicht Wenigen für komplette Abwendung gesorgt hatte. Über drei Jahre später scheint sich „Metropolis“ wie verstandene Kritik an all diejenigen zu wenden, die sich nach alten, klanglich härteren Zeiten sehnen.

Nachdem sowohl das Cover von „Metropolis“ mit dem im für Frontmann und Artworker Bastian Sobtzick typischen Stil gehaltenen Totenkopf bereits irgendwie an „Früher“ erinnert, goss der vorab veröffentlichte Titeltrack „Metropolis“ bereits literweise Öl ins Feuer der Hoffnung. Die Hoffnung all derer, die am Strand des unruhigen Metalcore-Meeres stehen und das einst so große Schiff Callejon zurück von der Kreuzfahrt auf den Flüsschen „Fandigo“ und „Rap-Cover“ zurückerwarten. Mit der Veröffentlichung des humorvollen und dennoch brutalen Videos zu „Gottficker“ tauchte dann zuerst der Mast auf, bevor das Schiff die Mündung endgültig passiert und die Band zurück im Blickfeld der sehnsüchtig Wartenden auftaucht.

Auf diesem Meer namens „Metalcore“ trauen sich Callejon nun also endlich wieder ihr Schiff in die altbekannten Stürme zu steuern. Der Sturm „Metropolis“ unterscheidet sich sogar insofern von den vor vielen Jahren durchfahrenen Unwettern, die kurz abflachten und Zeit für Balladen einräumten, dass hier keine Zeit zum Durchatmen bleibt und der Sturm bis auf einen einminüten Instrumentalteil konsequent und rücksichtslos mit hohen Wellen über uns hinwegbrettert. Dabei stehen zwar typisch für Callejon die großen Themen Wut und Melancholie im Vordergrund, die Band um „BastiBasti“ nimmt sich aber auch Zeit für Kritik. „Blut“ nimmt in der Ich-Form mit in die Gefühlswelten von Geflüchteten und Schlachtvieh und prangert den Umgang mit beidem offen an, „Die Fabrik“ nimmt sich dem Thema Konsum an und kritisiert diesen was das Zeug hält. Hier erinnern die eingebauten Elektroelemente an „Dieses Lied macht betroffen“ vom „Videodrom“-Album und runden den Sound ohne zu nerven ab. Auch typisch abstrakte Bilder wie „Die Krähe mit dem Schädelbauch“ oder „Der Wald“ finden ihren Platz auf der Platte und brettern zusammen mit allen anderen Tracks mit wuchtigen Gitarren und aggressiven Drums durch die Boxen. Wie aus alten Tagen bestens bekannt wechseln sich dabei geschriene Strophen und clean gesungene Refrains ab und klingen endlich wieder einfach nur nach „Callejon“ (von früher)!

Fazit

7.5
Wertung

Ich gebe offen zu, einer der von „Fandigo“ verstoßenen, ehemals begeisterten Callejon-Fans zu sein. „Metropolis“ fühlt sich wie eine Hand an, die mir Callejon persönlich reichen um zu sagen: „Sorry, lass uns mal wieder zusammen abgehen, so wie früher. Ok?“

Mark Schneider