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Callejon kaum wieder zu erkennen - „Fandigo“ verfolgt ein klares Ziel und erreicht es!

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So, 23.07.2017 - 00:32
Callejon haben ihr letztes Album 2015 veröffentlicht. „Wir sind Angst“ hat dabei allerdings nicht ganz den erwarteten großen Durchbruch geschafft. Gewohnt ist man von Callejon harten Sound mit viel Metalcore-Stilmitteln. Dass Sänger Basti das „Screamen“ draufhat, ist ohnehin jedem bewusst. Auf „Fandigo“ (VÖ: 28.07.2017) darf man aber nun ganz andere Seiten hören. Wie das klingt, erfahrt ihr hier.

Wenn man die Vorgänger im Kopf hat, setzt man erst einmal auf ein ganz anderes Erwartungsbild. Callejon veröffentlichten als erste Single „Utopia“ und haben damit auch den passenden Song gewählt. Man kann deutlich einen roten Faden durch das Album erkennen. Es wurde ein Thema gesetzt und herrlich wiedergegeben. Die Platte hat einen mystischen Klang, der aber durch ausgefallene Metal-Riffs deutlich aufgewertet wird. Dennoch ist der Sound nicht mehr so schroff wie noch bei den Vorgängern. Man merkt schnell, dass irgendetwas anders ist. In diesem Fall ist es der fehlende Screamo-Part. Bei „Monroe“ ist der Core hingegen noch zu kleinen Teilen vorhanden. Ansonsten gibt es größtenteils nur klaren Gesang zu hören. Doch genau das passt auch zu dem Album und dem Sound.

Es ist definitiv mutig, so einen Break zu schaffen, nachdem man nun eigentlich eingefahren ist. Mit Sicherheit wird es einige Menschen geben, die die Platte komplett ablehnen. Dafür dürfte es aber im Gegenzug auch deutlich mehr Sympathisanten geben. Am Anfang drängt sich tatsächlich der Vergleich zur Pop-Musik auf, doch diesen konnten Callejon sehr gut brechen. Der Sound ist sehr ausgefuchst, um das mal so sagen zu dürfen. Beim Writing-Prozess herrschte definitiv sehr viel Klarheit, was das Ziel der Platte angeht. Man wollte den Grundsound beibehalten (gelungen), aber im Gegenzug die Metalszene überrollen.

Was die Themenauswahl angeht, merkt man auch unglaubliche Kreativität. „Mein Gott ist aus Glas“ oder auch „Mit Vollgas vor die Wand“ sind zwei Titel, die schon alleine von ihrem Namen her viel versprechen. Auch wenn man davon ausgehen könnte, dass es sich um irgendwelchen Fun-Metal handelt, so ist es doch das persönlichste Album, welches Callejon wohl je geschrieben hat. Schon alleine, weil die Gefühlslage beim Gesang ganz anders rüberkommt. Es herrscht immer noch sehr viel Wut, sie wird aber anders verarbeitet. „Das gelebte Nichts“ ist eine, der schönsten Balladen, die es in den letzten Jahren gegeben hat. Die Direktheit und Intensität der einzelnen Titel ist bewundernswert. Selbst bei den ruhigen Songs kommt man sich nicht gelangweilt vor.

Die Präzision des Ausdrucks ist bei der ganzen Platte zu sehen. Auch wenn es darum geht, einfach mal zu sich selbst ehrlich zu sein, ist Callejon definitiv ein Vorreiter. „Ich ficke meine Seele“ - so lautet wohl das ehrlichste Zitat beim Lied „Hölle Stufe 4“. Was hier aber auch wieder auffällt, manche Zeilen auf der Platte sind in Englisch. Oftmals ist dieser Sprachenwechsel nervig oder merkwürdig anzuhören. Bei den Songs vom Album, bei denen der Change aber auftritt, passt es. Englisch und Deutsch harmonieren hier sehr gut und es fällt beim ersten Hören kaum auf. Dennoch ist es wohl sicher, dass „Fandigo“ keine zwei Sprachen braucht, um zu funktionieren. Auch wenn es oftmals nur einige Zeilen sind.

Immer mehr Einflüsse in der Metalszene haben auch elektronische Stilmittel. So ist es auch bei dieser Platte. Zumindest merkt man in einigen Songs doch sehr, dass manches nicht von einer E-Gitarre stammen kann. Es ist aber bei weitem nicht so ausgeprägt wie unter anderem bei Eskimo Callboy oder Vitja. Die meisten Songs kommen ganz gut mit den bestehenden Instrumenten zurecht. Der ein oder andere Track hat aber diese Zugabe wirklich vertragen, sonst würde definitiv was fehlen. Es wäre nicht so, dass das elektrische Zeug die Oberhand gewinnt. Ganz im Gegenteil. Sie unterstützen die oftmals sehr harten Gitarren.

Wer nun aber glaubt, das Album hätte nicht auch tiefe Aggressionen, Wut und Hass in sich, der hat sich getäuscht. Wie eben schon erwähnt, gibt es eben diese dunklen Gitarren. Bei vielen Liedern ist es sehr melodisch und melancholisch. Bei „Pinocchio“ oder „Monroe“ ist es hingegen sehr schnell und düster. „Fandigo Umami“ kann da aber noch eins drauf setzen. Genau das ist nämlich der Track, der Callejon, aber auch das gesamte Album von Anfang an am Besten beschreibt. Es herrscht innerhalb des Songs eine sehr hohe Abwechslung. Hier ist auch das Screamen wieder dabei. Es ist gleichzeitig auch das Letzte, was man auf dem Album hört. Ein perfekter Abschluss! Wer jetzt noch nicht überzeugt ist, der sollte sich das Album ab dem 28.07. anhören!