Jahresrückblick Joe 2021

2021 hat es geschafft, noch beschissener zu werden als 2020. Verlor ich letztes Jahr bereits einen meiner Großväter, während der andere von seiner Demenz eingeholt wurde, verstarb dieses Jahr plötzlich mein Vater. Das prägte natürlich auch mein musikalisches Jahr.
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Soundtrack des Jahres

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, verstarb mein Vater dieses Jahr. Unerwartet. Keine Krankheit, kein Leidensweg. Er war einfach nicht mehr da, ohne die Chance mich zu verabschieden, auch wenn ich weiß, dass unser letztes Telefonat ein schönes war. Ich entdeckte einen Song wieder, den mir Daniel - ein Kollege aus der Ausbildung und Bassist in unserer gemeinsamen Band - an einem Abend im Proberaum mal zeigte. 

Passender konnte kein Song sein (außer vielleicht "Everyone I Love Is Dead" vom selben Album). Ich höre den Track seit Jahren ab und an sehr gern, aber dieses Jahr begleitete er mich beinahe konstant. Ich habe die Chance genutzt und mich in die komplette Diskographie der Band reinzuhören. Immerhin das hat sich gelohnt, auch wenn ich gerne darauf verzichtet hätte, diesen Grund dafür zu haben. 

EP des Jahres

Ich habe mich mit Knocked Loose immer schwer getan. Die Stimme des Sängers war doch etwas zu gewöhnungsbedürftig. Aber mit "A Tear In The Fabric Of Life" entdeckte ich eine EP, die an Wut und Verzweiflung schwer zu übertreffen ist. Der hörbare Schmerz ist auf eine Art begeisternd und gleichzeitig erschreckend, was jeden Hördurchgang nur noch intensiver macht. Ich weiß nicht ob es an den mentalen Tiefen lag, die dieses Jahr vorherrschten, aber allein der Titel der EP hat mich schon fasziniert, trifft er doch einen Nerv bei mir. 

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Song des Jahres

Ich mag Deathcore nicht sonderlich. Alles möglichst extrem klingen zu lassen, ist für mich nicht unbedingt ein Qualitätsgarant. Über ein paar Umwege stieß ich auf Lorna Shore, welche nach einem Skandal einen neuen Sänger bekamen und der hat es in sich. Ich konnte mich der Magie nicht entziehen und höre wirklich regelmäßig "To The Hellfire", nur um jedes Mal erschrocken zu sein, wie krass eine Stimme klingen kann. Der Rest der Band macht einen guten Job, aber Will ist einfach nur heftig. Jeder Growl, jeder Schrei und jede Gollum-Imitation ist krasser als alles, was ich bisher gehört habe (abgesehen von obskuren slowenischen Grindcorebands, deren Lyrics auch nur aus "Breeeeebreeeebreeee" bestehen).

 

Hier gibt's auch noch ein Vocal Playthrough vom Sänger

Die Band wird nie bei mir im Plattenschrank landen. Die Faszination ist eher technischer Natur. Witzig fand ich, dass der Song bei iTunes ein mit einem "Explicit Content"-Warnhinweis versehen ist. Als ob irgendein Mensch die Lyrics verstehen würde. 

Album des Jahres

Danger Dans "Das ist Alles von der Kunstfreiheit gedeckt" war so ein Überraschungsalbum für mich. Ich mag nachdenkliche Rap-Musik und fand die vorab veröffentlichten Tracks schon sehr gut. Wie sehr ich das Album aber am Ende lieben würde, war vorher nicht zu erahnen. Es hat Charme, Herz, Witz und Wut - und all das so schön in Musik eingebettet, dass ich es sogar meiner Mutter geschenkt habe. Vor allem "Eine gute Nachricht" läuft sehr regelmäßig bei mir und ich liebe es mit jedem Hören mehr, weil Wehmut und Hoffnung selten so schön in Worte gefasst wurden.

Hier geht es zu unserer Review.

Bester Trent Reznor-Song des Jahres

Health x Nine Inch Nails - "ISN'T EVERYONE"

Einfach nur geil. Ich schreib hier jetzt nicht viel, den hier geht es zum Nagelstudio über den Track.

Da könnt ihr mein Fanboy-Geschwafel dazu lesen. 

Schlechtester Trent Reznor-Song des Jahres

Aus unerfindlichen Gründen macht Danny Elfman Musik. Und aus noch unerfindlicheren Gründen hat Reznor einen Song mit ihm nochmal aufgenommen. Das Original und auch die neue Version sind beide eher so mäßig. Nicht scheiße, aber wirklich nichts, was ich mir auf den MP3-Player ziehen würde. Es wirkt gelangweilt und ein wenig lieblos. Ich bette den Song auch nicht ein. Das wäre er nicht wert. Wer ihn dennoch hören will, klickt hier.

Enttäuschung des Jahres

Kein neues Nine-Inch-Nails-Album.