Die besten Anti-Rassismus-Songs

Immer wieder positionieren sich Künstler:innen in ihren Songs und Texten gegen Rassismus, Ausgrenzung und Menschenhass. Und leider bleibt das weiterhin notwendig. Wir präsentieren unsere liebsten Songs zu Thema Antirassismus.
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Als Verbindung von jamaikanischem Ska mit britischem Punk verstand sich Two Tone von Anfang an als antirassistisch. Die schwarz-weiße Ästhetik des gleichnamigen, stilprägenden Labels wurde zum Symbol für die friedliche Miteinander von schwarzen und weißen Musiker:innen. Die Besetzung von Bands wie The Beat, Madness und The Specials spiegelte zum ersten Mal die multikulturelle Realität wider, in der die britische Jugend in den späten 70ern aufwuchs. Aus den Specials entstand schließlich The Special AKA, die mit „Free Nelson Mandela“ 1984 einen Protest-Hit landeten. Im selben Jahr zeigten sie mit „Racist Friend“, dass das private politisch ist und sein muss. Die Botschaft des Songs ist simpel: Mit Rassist:innen ist man nicht befreundet. Durch den relaxten Off-Beat und den zweistimmigen Gesang geht sie gut ins Ohr und bleibt dort hoffentlich auch hängen, denn „now ist the time for your friendship to end“ - egal ob 1984 oder 2021.

Ich musste etwas überlegen, was genau ich in diese Liste einfügen soll. Schnell war mir klar, dass es ein Song der US-Amerikanischen Band The Fever 333 sein musste. Nun könnte man da so gut wie jeden Song benutzen, jedoch ist es „INGLEWOOD/3“, welcher sich am meisten in meinem Kopf festgesetzt hat und soll hier stellvertretend für alle Songs der Band stehen, welche diese Themen behandeln. In diesem Song erzählt Frontmann Jason Butler von seiner Vergangenheit in der Stadt Inglewood, welche nur so von Bandenkrieg, Polizeigewalt und Rassismus jeglicher Art gezeichnet war. So heißt es im Song unter anderem:

 

Burning down the Burger King the ghetto coming back to take the throne

Then my brother came home bloody, he was trying to keep the peace

Now I hear a whole new meaning when they screamed

"Fuck the Police!"

Der Song steckt voller erschütternder Momente und hat auch so einen anderen Ton als den, welchen man von der Band gewohnt ist. Sehr erzählend, wenig ausfallend und melancholisch. Die Dramatik und Emotionen sind fast greifbar, so stark werden sie hier dargestellt.

 

Bei diesem Thema musste ich kurz überlegen und natürlich war "Schrei nach Liebe" von Die Ärzte mein erster Gedanke, aber diesen Song kennt vermutlich jeder und darum muss der nicht unbedingt erwähnt werden. Nächster Gedanke war "Raison" von FJØRT, aber dann fiel mir "Des Fois" ein. Ich bin eigentlich sehr sprachaffin, wurde mit der französischen Sprache allerdings nie sehr warm. Das hat mich allerdings bei Irie Révoltés nie gestört. Die Band, mischt die deutsche und französische Sprache so elegant, dass es mich nicht stört mal kurz nach der Übersetzung zu googlen und allein für ihre politische Haltung fand ich die schon immer gut. Kennengelernt habe ich die Gruppe mit "Des Fois" und bis heute ist es einer meiner liebsten Songs von denen, denn er beschreibt das Leben eines Menschen, der in ein anderes Land geflohen ist und dort in den Mühlen der Bürokratie langsam zermahlen wird und unter dem stetigen Rassismus leidet. Rassismus tötet und in "Des Fois" wird dies wütend und eindrucksvoll besungen. 

Den kompletten (übersetzten) Text hier einzufügen würde etwas viel Platz einnehmen, aber ich kann es nur empfehlen, diesen zu lesen. Aber allein die deutschsprachigen Parts reichen, um Wut aufzubauen und wecken den Wunsch, jedem verdammten Rassisten und jeder widerlichen Rassistin ihre dämliche Weltsicht auszuprügeln, verbal natürlich...

Die letzten Zeilen des Songs sind allerdings brandaktuell, hat doch vor nicht allzu langer Zeit ein Gutachten erneut ergeben, was viele Menschen schon lange wussten. 

"Das ist für Oury Jalloh - verbrannt von der Polizei.
Für Oury Jalloh - und alle Flüchtlinge.
Lasst uns ihnen Papiere und Frieden geben!" 

 

Es ist so unheimlich wichtig, dass wir uns der hässlichen Fratze von Rassismus mit aller Gewalt entgegenstellen. Das haben etliche Bands getan, "Nazis raus" ist mittlerweile schon eher ein Standard-Ruf geworden als ein Ausdruck besonderen Aufbäumens. Manchmal vergisst man dabei zu fragen: Warum oder wegen wem machen wir das eigentlich? Sind wir Antirassist:innen, weil wir Nazis einfach hassen verabscheuen? Skandieren wir stetig für eine bessere Welt, um uns am Ende selbst besser zu fühlen? Wollen wir Teil einer Gruppe sein, die unsere Einstellung teilt? Am Ende ist die Antwort doch ganz einfach: Wir stellen uns Faschismus entgegen, weil er auf ekelhafte Weise so viele wunderbare Menschen marginalisiert, die gar nichts dafür können. Und genau deswegen ist "Danny Nedelko" von Idles so ein großartiger Antirassismus-Song. Er fokussiert sich weniger auf all die Arschlöcher, die tagtäglich Immigranten diskriminieren und zelebriert stattdessen frenetisch die Bereicherung, die diese Menschen für unser Leben bedeuten. Joe Talboot konzentriert sich in Text und Titel vordergründig auf ein bestimmtes Individuum, nämlich Danny Nedelko, den Frontmann der Band Heavy Lungs, der ursprünglich aus der Ukraine kommt. Aber Idles haben letztendlich eine der kraftvollsten Hymnen über Einheit geschrieben: "He's made of bones, he's made of blood / He's made of flesh, he's made of love / He's made of you, he's made of me / Unity!"