Parkpunk und "Arbeitenix": Fliesentischpogo

Und Schwups hat man einen Deal bei Aggressive Punk Produktionen. So ist es der Regensburger Band Parkpunk ergangen, welche kurz vor dem Release ihres Debüts "Arbeitenix" stehen und schon jetzt mit den ganz Großen des Genres in einem Label spielen. Und dann ist das Album auch noch großartig. Wie surreal kann eine Geschichte sein?
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Es ist komisch, wenn jemand sagt, dass der eine Typ, mit dem du letztens auf der Wiese gesessen hast, eine Band und jetzt einen Deal mit einem der bekanntesten Punk-Labels des Landes hat. Genau diese Unterhaltung führte ich, als mir die Band Parkpunk vorgestellt und mit „Arbeitenix“ eine mehr als großartige erste Singleauskopplung gezeigt wurde. So schnell kann das gehen mit Karrieresprüngen.

Im Kern liefern uns die beiden Menschen aus Regensburg mit ihrem Album „Arbeitenix“ eine sehr direkte Punk-Platte, wie man sie von Bands wie Kotzreiz oder Alarmsignal kennt. Jedoch schaffen sie es so gut wie jedem Track auf der einen Seite einen Rotz-Sauf-Anstrich zu verpassen und gleichzeitig auf der anderen Seite subtile Kritik zu üben. Als Beispiel soll der Titelsong dienen: In „Arbeitenix“ geht es nicht darum, dass man Arbeit scheiße findet. Der Track spricht sich eher für die Berufe aus, die oft absichtlich vergessen oder als selbstverständlich angesehen werde. Egal ob Tierpfleger:in, Friseur:in oder auch Krankenpfleger:in, all diese Jobs werden zu Unrecht übersehen. Der Song „Klorier" nimmt sich der Melodie eines Partyhits an und spricht gleichzeitig das Thema der sozialen Ungleichheit in Ländern der dritten Welt und den Menschen aus diesen an. Und Songs gegen Nazis, Querdenker:innen und die Fraktion der Besorgten dürfen natürlich auch nicht fehlen. Hier ist besonders die „Nazitränen-Duologie“ auf dem Weg, ein moderner Klassiker der Antinazi-Musik zu werden. Seien wir mal ehrlich, ironischer Saufpunk ist unterhaltsam, aber schon lange totgespielt. Wenn man diese Mentalität aber mit der des kritisch-antifaschistischen Punks verbindet, wird daraus ein Gebilde, welches wir brauchten, obwohl wir es nicht gesucht haben.

Aber auch musikalisch haben die Parkpunker einiges auf Lager. Von bekannten Riffs und Rotzvocals über den oldschool-hardcorigen Track „Rotzevoll“ oder auch den eher melodischeren Punkrock-Track „Nichts Neues“ streckt sich das Album zwar nicht allzu weit aus dem reinen Punk heraus, aber das soll es auch gar nicht, denn mit der sehr angenehmen Länge von ungefähr 21 Minuten kommt keine Langeweile auf, sondern immer wieder kurze Lacher, viele Punkte zum Nachdenken und genug Ohrwurmpotenzial, um die Laufzeit im Kopf zu verdoppeln.

So geht Debüt, aber richtig. Parkpunk aus Regensburg legen einen Start hin, welchen man so schnell nicht vergessen sollte. Textlich raffinierte Verschleierung prekärer Themen, Ohrwürmer überall und eine gehörige Portion rotziger Punk geben „Arbeitenix“ sehr viel Potenzial, noch lange in vieler Munde zu sein und in sämtlichen Genre-Toplisten zu stehen. Das ist den beiden auch nur zu wünschen. An dieser Stelle bleibt nur zu sagen: Chapeau und Prost!

Fazit

9
Wertung

„Arbeitenix“ ist eines dieser Debütalben, über die es sich noch lange zu sprechen lohnt. Hervorragende Texte treffen auf den Irrwitz und das Musikalische des Rotzpunks. Damit ergibt sich nicht nur ein hervorragendes Album, sondern auch sehr viele hochqualitative Ohrwürmer. Vertraut mir, wenn ihr einmal den Titeltrack oder „Klorier“ gehört habt, dann lassen sie euch nicht mehr los!

Dave Mante