Preoccupations und "New Material": Altbewährt und intensiv

Ist es nun Fluch oder Segen, wenn eine Band ihren Stil unbeirrt fortsetzt? Preoccupations antworten darauf mit Qualität.

Man muss ja durchaus eingestehen, dass der Name der neuen Preoccupations-Platte nicht unbedingt nach grenzenloser Inspiration klingt. „New Material“ ist ungefähr so aussagekräftig wie der Titel des kommenden 30-Seconds-To-Mars-Silberlings, der schlicht „The New Album“ heißt. In Zeiten von Spotify und dauerpräsenter Streaming-Beschallung scheinen Alben als Gesamtkunstwerk zwar eh nicht mehr das Maß der Dinge zu sein, trotzdem schreckt die schlichte Rationalisierung dieser neuen Veröffentlichung zunächst eher ab. Zum Glück widersprechen die kanadischen Post-Punks den anfänglichen Bedenken mit starken Songs.

Dabei gewinnt der Titel der Platte durchaus an Sinn, denn an ihrem bewährten Sound haben Preoccupations tatsächlich wenig geändert. Wer den allerdings kennt, weiß, dass die Band schon immer über einen knisternden Mix aus Post-Punk, Noise und avantgardistischer Sound-Opulenz verfügte, der Änderungen nicht unbedingt verlangte. Und so klingen die Kanadier noch immer so scharf und störrisch wie auf ihrem selbstbetitelten Vorgänger. „Espionage“ klirrt mit hallendem Percussion-Intro angenehm unangenehm los und kontrastiert diese mystische Post-Punk-Eigenart mit malerischen Synthies. „Manipulation“ spielt mit Erwartungen und lässt per langanhaltendem Trommelwirbel ein großes Crescendo erwarten, wirft sich dann aber doch immer wieder selbst in das repetierende Electronic-Mantra zurück. „Antidote“ wirkt im Kontext einer Preoccupations-Platte hingegen fast schon poppig, weil Frontmann Matt Flegel hier nicht ganz so manisch wie sonst Michael-Gira-Vocals über den Takt schmettert, sondern nahezu melodisch arbeitet.

Hochkarätig dicht ist „New Material“ nach wie vor, dennoch ist das dritte Werk des Quartetts nicht mehr ganz so intensiv wie sein Vorgänger. Das liegt mitunter daran, dass Preoccupations nicht mehr so derartig dissonant in ihre Tonspuren keifen wie gewohnt. Dennoch ist auch der Trip in dieses Werk ohne Wenn und Aber lohnend – neues Material dieser Band ist eben auch ohne Grundrenovierung ein Erlebnis.

Fazit

6.5
Wertung

Preoccupations überraschen mittlerweile nicht mehr wirklich, ihr Output ist dennoch nach wie vor stark. "New Material" ist das Produkt von verquerem Avantgardimus und subtiler Klanggeschwader. Ein Album, das bedrückt und aufwühlt.

Jakob Uhlig