Moaning und “Uneasy Laughter”: Zwischen Long Beach und Club Mate

Die Sub-Pop-Schützlinge Moaning kehren nach ihrem selbstbetitelten Debüt mit “Uneasy Laughter” zurück, und verirren sich von einer Menge Melancholie getrieben dabei auch in die Klangsphären der Hauptstadt.
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Drei junge Typen aus Los Angeles machen ein Album, das so gar nicht nach Santa-Monica-Flair und Hollywood-Glamour klingt. Stattdessen geben sich Moaning auf ihrem Zweitlingswerk einer erdrückenden, fast schon apathischen Melancholie hin, die man hierzulande wohl eher mit Berliner Kneipenaschenbechern assoziieren würde. Das Trio tauscht klirrende Gitarrenriffs gegen wabernde Synthesizer und wartet mit Bassläufen auf, die so oder so ähnlich auch auf einem Drangsal-Album auftauchen könnten. Hört man jedoch genauer hin, finden sich hinter den breiten Klangflächen und der dumpfen Rhythmus-Abteilung doch immer wieder vielseitige Gitarren-Arrangements.

Sänger Sean Solomon macht auch auf dieser Platte dem Namen der Band alle Ehre und vermittelt mit flehend monotoner, aber auch bizarr schöner Stimme gefühlvolle Texte von Selbst- und Weltzweifel. Auch diese Millenial-Melancholie findet sich in der Musik der Berliner Indie-Szene wieder, so zum Beispiel im trotzigen Slacker-Pop von Ilgen-Nur. “Uneasy Laughter” weiß bei allen Ähnlichkeiten auf seine ganz eigene, merkwürdig abgeschottete Weise zu fesseln. Zwischen den hypnotischen Post-Punk-Rhythmen von Drummer Andrew MacKelvie und Solomons subtilen und gleichzeitig eingängigen Vocals verliert man sich zuhörends in der Klangwelt von “Uneasy Laughter”. Es ist ein Album, zu dem man mit Tränen in den Augen in der Berliner S-Bahn den Kopf an das Wagon-Fenster lehnt, während die Außenwelt, von einem sepiafarbenen Schleier überzogen, an einem vorbeigleitet.

“There’s nothing you can do, you wasted your time” singen Moaning im Song “What Separates Us”, und mit jeder Sekunde schwingt die bittere Akzeptanz der eigenen Insignifikanz mit. Vor lauter Resignation treten diese Worte im Laufe des Albums immer wieder in den Hintergrund. Das ist aber gar nicht weiter schlimm, da sich die schluchzenden Synths und die wimmernden Gitarren so auf dem molligen Bett aus Drums, Bass und Tristess voll entfalten können. Man möchte die drei glatt in den Arm schließen, wenn einen die Musik nicht selbst so verdammt trübselig machen würde.

Fazit

7.6
Wertung

Moaning schaffen es mit “Uneasy Laughter” die Widersprüchlichkeit der menschlichen Gefühlswelt nach außen zu kehren. Man verlässt das Album zu gleichen Teilen mit Unwägbarkeit und Erleichterung. Und dem Verlangen, das alles direkt noch einmal erleben zu wollen.

Kai Weingärtner