Kafvka und „2084“: Big Brother is beating you up!

Es wird angeklagt! Aber nicht nur das, es wird auch verurteilt! Kafvka aus Berlin machen mal Rock, mal Metal, mal Industrial und darauf wird gerappt. Es gibt in vielerlei Hinsicht auf die Fresse.
Kafvka 2018 Cover

Sänger oder Rapper, wie nennt man denn den Frontmann einer Crossover-Band? Jonas, Sänger von Kafvka, ist auf jeden Fall ein verdammt guter Rapper. Er verbindet die verschiedensten Elemente, die einen solchen interessant machen können. Angefangen mit dem Mut zum Gesang und dem dafür nötigen Talent. Dazu noch die Technik, die er gleich im Opener „Hallo Welt“ demonstriert. Doubletime in den Strophen und das auf ziemlich schwierigen Beats. Es sind nämlich einfach nur verdammt dynamische Metal- Punk-, oder Industrial-Instrumentals. Ein weiteres spannendes Element, das Jonas Kakoschkes Rap interessant macht, ist dieser gewisse Wahnsinn, den er in bester Fred-Durst-Limp-Bizkit-Manier ausspielt, unter anderem mit dem Abdriften der Stimme in höhere Gefilde. Jonas hat aber auch eine wirklich gute Band um sich, die sich besonders in der Berliner Live-Szene einen Namen erspielt hat. All das sind schon einmal brillante Voraussetzungen für ein geiles Album.

Aber das alles wird brillant durch schlichtweg geniale Textarbeit. Witz, Geist, Köpfchen, Herz, bloßer Rotz, in diesen Lyrics findet sich einfach alles, was das Herz begehrt. „Hallo Welt“ startet humorvoll in das Album, beinhaltet aber so wie der größte Teil der Platte stets Kritik, für die man auch nicht zwischen den Zeilen lesen muss. Allerdings werden Themen mehr angerissen als behandelt, zum Beispiel genauso humorvoll oder aber brachial wie in „Fick dein Volk“. Dieser Track wurde schon 2017 vor der Bundestagswahl veröffentlicht und schlägt lyrisch auf die AfD-wählenden Patrioten ein, die „Wir sind das Volk“ rufend durch Straßen ziehen und Leute in ihre Parolen implizieren, die mit ihnen gar nichts zu tun haben wollen. Eine Kampfansage an Rassisten und rechte Volksverhetzer.

Äußerst humorvoll funktionieren dann „Chip in meinem Kopf“ und „WiFi“. Beide nehmen sich den technologischen Fortschritt zur Brust. Dieser Fortschritt bedeutet genauso ebenso einen Rückschritt, macht man sich schließlich selbst abhängig und zum Sklaven der Technik. Aber wie so oft gibt es einen Track, der komplett aus der Rolle fällt. In „Egal was passiert“ kommen Kafvka ganz ohne Kritik aus, sondern gehen einen sehr romantischen Weg. Einfach ein wirklich gutes und entspannendes Liebeslied. Die Frage, ob auf einem Album voller Wut, Kritik und Brisanz für ein solchen Song Platz ist, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Einerseits durchbricht es ein wenig die herrschende Spannung und Stimmung der Platte, andererseits bietet der Track auch eine Antwort für all das Hässliche in unserer Gesellschaft, das auf dem Album behandelt wird: Liebe. Das mag zwar auf den ersten Blick zu plakativ und langweilig erscheinen, aber „Egal was passiert“ hält den roten Faden mit seinem Text und seiner Art, im Stile der ruhigen Nummern von P.O.D..

„Zukunftsmusik“ beschließt „2084“ dann noch kongenial. In einem Mix aus elektrischen Beats und harten Metal-Riffs werfen Kafvka einen Blick auf die Orwellsche Zukunftsvision, die einem beim Zuhören das Gefühl geben, der Mann hätte sich mit seinen Vorstellungen in 1984 einfach nur um ein Paar Jahre vertan. Kein Blatt vor den Mund zu nehmen ist die eine Sache. Mit dem Finger auf die Probleme zu zeigen und vor allem auf die, die sie verursachen, nochmal eine andere. Kafvka machen auf 2084 beides und das mit Bravour. Das Ganze wird von starkem Rap und harter musikalischer Untermalung getragen - so etwas hat es in Deutschland so gut noch nicht oft gegeben.

Fazit

8.2
Wertung

Mal abgesehen davon, dass der Rap und die Musik wirklich verdammt gut sind, macht es so viel Freude zu sehen, wie immer mehr Bands und Musiker ihr Maul aufmachen um sich ihrem Ärger über Rassismus und Faschismus in diesem Land und auf dieser Welt Luft zu machen. Danke Kafvka, für klare Worte und ganz wichtig: Fürs Haltung zeigen!

Moritz Zelkowicz
7
Wertung

Kafvka verbinden wuchtige Gitarrenwände mit exzellent gerappten Lyrics und elektronischen Beats. Sowohl die Instrumentalstimmen als auch Jonas Kakoschkes Rap-Gesang erfinden sich auf der Crossover-Platte immer wieder neu und warten mit kontrastreichen Sounds auf. Was allen Songs gemeinsam ist, ist ihre wichtige Message, die stets mit einem Augenzwinkern kommuniziert wird. Sei es überspitzt, humorvoll oder einfach nur geistreich – ernste Themen werden durchweg unverkrampft und häufig sogar tanzbar vertont. Kavfka beziehen Stellung und klingen dabei dennoch wunderbar kurzweilig.

Sarah Ebert