Great Escapes und "Okay": Mehr als okay?

Die westfälische Emo-Punk-Band Great Escapes war vor über zwei Jahren in unserem Format "Unter dem Radar" zu Gast und hat mit "Okay" nach sechs Jahren endlich ein neues Album fabriziert. Doch wird das Album dem Titel (mehr als) gerecht?
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Den Aufschlag macht "Tyler", ein seichter, musikalisch eher unspannender Song, der aber das Album thematisch gut einleitet und eine wichtige Botschaft mitbringt. Dass nicht jeder Tag absolut perfekt sein muss oder kann und dass es auch völlig okay ist zu scheitern, zieht sich durch das ganze Album. Passend zum Genre Emo-(Pop-)Punk natürlich. Und auch musikalisch spannender wird es ab dem nächsten Song, das Ganze steigert sich fast konstant immer weiter bis zum wirklich starken Finalsong "Are you okay?". In besagtem Track wird die Botschaft des Albums in Versen wie "Believe me, it's okay to lose your mind from time to time" nochmal betont, was gerade als Albumende nicht besser gewählt werden konnte.

Generell zieht sich durch, dass die Strophen oft nicht besonders in Erinnerung bleiben, die Refrains dafür umso mehr. Die Chorusse gehen ausnahmslos ins Ohr und bleiben da auch gerne ein bisschen hängen. Das Album taucht einen in eine musikalische Schein-Gute-Laune-Welt, ganz nach gängiger Pop-Punk-Manier mit präsenten Gitarren und eingängigen Beats, während aber textlich doch ernstere Themen und Botschaften untergebracht werden.

Besonders erwähnenswert ist der Track "Phobophobie" - die Angst vor der Angst, als Songtitel auf diesem Album irgendwie schon eine Ironie in sich. Der Song ist der einzige mit deutschen Vocals und sticht nicht nur deshalb heraus. Auch der Text ist deutlich philosophischer angehaucht als die englischen. Zeilen wie "Und was war nochmal Sicherheit?" lassen sich auch einfach nicht so gut übersetzen, ohne das Kraftvolle zu verlieren.

Fazit

7
Wertung

"Okay" ist eine halbe Stunde Unterhaltung, die definitiv mehr ist als nur okay. Eine Platte, die besonders aufgrund der angesprochenen Thematik und der vermittelten Botschaft Aufmerksamkeit verdient.

Jannika Hoberg
7
Wertung

Aus unserer liebgewonnen UdR-Sektion in die Bestenlisten des Landes? Vielleicht. Eine gute Wertung als faire Entlohnung für die Arbeiten an „Okay“? In jedem Fall! Great Escapes starten eine beachtliche Führung durch verschiedene Subgenres hiesiger Gitarrenklänge und haben die eine oder andere Überraschung verbaut. Eine Hörempfehlung, welche gerne noch einige Minuten länger hätte ausfallen dürfen.  

Marco Kampe