Friedemann und „Ich leg mein Wort in euer Ohr“: Akustik-Platte weitab der Monotonie

Das letzte Album von COR ist gerade erst im Vorjahr veröffentlicht wurden, doch schon jetzt veröffentlicht Frontmann Friedemann sein drittes Soloalbum. „Ich habe da keinen Plan. Songs waren fertig, wurden aufgenommen – Platte kommt raus.“ - sagte Friedemann Hinz dazu in einem Interview.
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Der Opener des Albums auch als Titellied. Mit „Ich leg mein Wort in Euer Ohr“ möchte Friedemann Gast in dem selbigen sein. Besser könnte das Album nicht beginnen, beschreibt der Song doch genau das, was ihm als Sänger und Songschreiber wichtig ist. Die Hörerschaft soll aufmerksam seinen Worten lauschen und danach leben. Für den einen oder anderen mag dies zunächst etwas hochgegriffen klingen, aber wer die vorherigen Alben von ihm kennt, weiß, dass Friedemann in seinen Texten eher möchte, dass man sich seiner selbst besinnt.

Schon im nächsten Stück „42“ nimmt er das thematisch auf. Er stellt selbstkritisch die Frage nach dem eigenen Sinn, nach dem eigenen Leben. Dabei reflektiert er sein eigenes und hebt die Zweifel und Ängste vor dem Neuen, dem Anderen und dem Unbekannten hervor. Generell möchte Friedemann, dass man aus den Zwängen ausbricht um glücklich zu werden. Zwänge, die zum Teil von unserem Alltag, aber zum anderen Teil auch von der Gesellschaft erschaffen werden. „Dafür das Leben“ und „Eigensinn“ sind weitere Songs auf dem Album, die der Hörerschaft helfen sollen, sich selbst und die eigene Umgebung wahrzunehmen und gegebenenfalls zu ändern, was einem daran nicht gefällt. „Ellenbogen“ beschreibt zudem sehr schön, dass man sich nicht bloß durch das Leben kämpfen soll und es viele wichtigere Dinge gibt als die sogenannte „Ellenbogengesellschaft“.

Natürlich hört man auf dem neuen Album nicht nur persönliche Lieder. Mit Songs wie „Ja sicher“ und „Die Alternative“ zielt Friedemann in die politische Richtung, indem er derzeitige Missstände aufgezeigt und kritisiert. In „Flugzeug, Liebe, Volkszorn“ geht es um die aktuelle Flüchtlingssituation: Bezug nimmt er dabei auf die wütenden Massen voller Hass und Hetze, welche teilweise durch Medien beeinflusst und gesteuert werden. Ein ganz klares Statement für den Weltfrieden ruft Friedemann in „Frieden“ aus.

Insgesamt wirkt das dritte Album des Vorpommers sehr abwechslungsreich. Sowohl musikalisch als auch textlich bedient sich Friedemann vieler Stilelemente. So transportiert er seine Aussagen aus verschiedenen Perspektiven, sei es aus der Sicht eines Erwachsenen oder aus der eines Kindes, wie bei „Was ich alles kann“. Mal sind die Texte fröhlich, mal wütend, zum einen gespickt mit Metaphern und zum anderen direkt. Man möchte erst meinen, dass ein Akustikalbum weniger flexibel wäre, als eines mit „richtiger“ Band - doch weit gefehlt. Auf „Ich leg mein Wort in euer Ohr“ wird es musikalisch nicht langweilig. Schnelle Ohrwürmer treffen auf ruhige Balladen. Dabei wird der Gesang schon seit dem letzten Album nicht mehr nur mit Gitarre begleitet. Minimalistische Percussion, eine raue Westerngitarre und ab und an ein Keyboard lassen den Sound voll erklingen, teilweise auch in die experimentelle Richtung abdriften.

Fazit

6.8
Wertung

Friedemann sollte Gast in jedem Ohr sein. Seine Lieder über die Gesellschaft, Politik und das eigene Ich regen zum Nachdenken und auch zum Handeln an. Trotz des akustischen Soloprojekts findet sich hier eine abwechslungsreiche Mischung, die das Album alles andere als monoton erscheinen lässt.

Torsten Scholz