Egotronic mit "Stresz": Geilster Repetitio Ever

Manche wird es schockieren, aber linke Themen sind immer noch an der Tagesordnung, da sie nicht ausreichend behandelt und durchgesetzt werden. Wenn man es genau nimmt, sind es sogar dieselben, nur die Schlagworte haben sich geändert. Auftritt Egotronic mit „Stresz“!
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Wie kaputt muss eine Gesellschaft sein, die ohne Rechts anscheinend nicht auskommt? Egal welcher tagespolitischen Thematik man sich widmet, es wird eine rechte Ansammlung von Menschen geben, die ihren Abfall öffentlichkeitswirksam absondern. An dieser Stelle einfach mal vielen Dank an Egotronic, denen es nie überdrüssig wird, dagegen zu kämpfen. Da wäre zum einen das Thema Polizei und Gewalt. Es mag ja Menschen wie Rainer Wendt oder Horst Seehofer verwundern, aber ein Großteil der Bevölkerung würde gerne wissen, wie viele Nazis es in der Polizei so gibt und was gegen sie unternommen wird. Kongenial setzen sich Torsun Burkhardt und Co mit diesem Thema auseinander und präsentieren in „Meine Hotline“ eine überragende Geschäftsidee, über die Hotline 1312 vermitteln sie Linksextremisten an die Polizei und Bundeswehr. Was kann man dagegen haben?

Weniger subtil und deutlich aggressiver nimmt sich „Lauf Bulle, lauf“ der Verhältnisse der deutschen Innenpolitik an. Inklusive O-Ton vom Bundesinnenminister. Immer dabei, der starke Arm des Gesetzes. Natürlich muss auch Corona irgendwie thematisiert werden, sei es mit „Masken“ oder „Nadel verpflichtet“. Dazu wurde in der Promophase des Albums das wunderbare Browsergame „Nadel verpflichtend“ herausgebracht. In einem mit Hammer und Sichel dekorierten Flugzeug muss man Menschen aus der Luft impfen. Das Game findet ihr hier>>.

Und plötzlich ist die gute Stimmung getrübt. Denn Torsun beginnt in „Der Dämon“ mit sehr persönlichen Erzählungen, von seiner Rheumaerkrankung und der damit bei ihm einhergehenden Isolation und Depression. In diesem Zusammenhang ist das eigentlich so humorvoll wirkende „Der schönste Platz ist inner Apotheke“ plötzlich ziemlich bitter, der Rausch als Eskapismus vor der Krankheit. Der ein oder andere hat gewiss darauf gewartet, es folgt eine Abrechnung mit Verschwörungstheoretikern in „Schlusz mit lustig“.

Das Finale der Platte ist etwas überraschend. Denn „Stresz“ ist nicht nur das zehnte Album von Egotronic, sondern es erscheint auch im 20. Bandjahr. Eigentlich Grund für eine riesige Party, dem sind Egotronic ja grundsätzlich nicht abgeneigt, aber doch hadern die Herren ein wenig mit dem fortschreitenden Alter. Im Grunde ist wenig neues dabei, was hauptsächlich daran liegt, dass es immer noch derselbe Kampf ist. Und Egotronic bleiben dran, geben nicht auf und machen immer und immer und immer immer weiter.

Fazit

7.2
Wertung

Auch wenn Egotronic sich thematisch grob immer in dieselbe Richtung orientieren, so ist ihr beständiger Finger in der Wunde einfach unfassbar schmerzhaft und genau deshalb so wichtig. Und verdammt, dieser 8-bit-Vibe wird einfach niemals langweilig!

Moritz Zelkowicz