Car Seat Headrest und „Making A Door Less Open“: Ein Experiment

Versuche, elektronische und Rockmusik zu kombinieren, gibt es schon lange. Ein positives Beispiel dafür ist sicherlich „Adore“ von den Smashing Pumpkins. Häufig scheitern diese Versuche aber auch und so entsteht Rockmusik, in der die elektronischen Elemente fremd und fehl am Platz wirken. Nun wagen sich Car Seat Headrest an diese Aufgabe.
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In manchen Kreisen zählt Will Toledo, seines Zeichens Songwriter und Frontman der Band Car Seat Headrest, sicherlich zur Koryphäe der Indie-Szene. In Deutschland ist er allerdings noch relativ unbekannt, und das, obwohl er bereits ein Dutzend Alben veröffentlicht hat. Neben kreativem und frischem Songwriting wird er von Fans für seine Texte über Identität, Drogen, Depression und Isolation geliebt. Seine Musik fühlt sich dabei authentisch, privat und verletzlich an. Nach neun Alben, die er allesamt über Bandcamp veröffentlichte, unterschrieb er mit seinem Projekt Car Seat Headrest bei Matador Records. Seitdem publizierte er dort unter anderem die Alben „Teens Of Denial“ und das neu aufgenommene „Twin Fantasy“, die beide sowohl bei Kritikern als auch Fans gut ankamen und die kommerziell erfolgreichsten der zwölf Alben sind.

Mit „Making A Door Less Open“ probiert sich Toledo an einer neuen Songwriting-Technik und wagt ein Experiment. Bereits seit 2015 entstanden die Tracks für das neue Album. In der Zeit wurden die Songs einmal komplett als klassische Rockband aufgenommen und einmal als rein elektronische Version am Computer. Das Endprodukt ist die Synthese aus beiden Ansätzen. Menschen, die Car Seat Headrest bisher als reine Indierock-Band gesehen haben, werden von „Making A Door Less Open“ überrascht sein. Einzelne Songs bleiben sogar praktisch rein elektronisch. Dabei zeigte sich bereits bei vorherigen Veröffentlichungen der Band immer wieder, dass Toledo auch gerne mit elektronischen Einflüssen arbeitet. Allerdings waren diese nie so konsequent wie hier eingesetzt worden. So wirkt der neue Ansatz jetzt wie eine logische Schlussfolgerung von Toledos bisherigem Werdegang.

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Will Toledo beobachtete für die neue Platte vor allem seine eigenen Hörgewohnheiten und schrieb deswegen die Tracks für sich allein stehend und weniger im Album Kontext. So erzählt er: „I was listening less and less to albums and more and more to individual songs, songs from all over the place, every few days finding a new one that seemed to have a special energy. I thought that if I could make an album full of songs that had a special energy, each one unique and different in its vision, then that would be a good thing.“ Das hat zur Folge, dass zum Beispiel die Single „Hollywood“ sehr gut funktioniert und ein Paradebeispiel dafür ist, wie die elektronische Musik sein Songwriting beeinflusst. Hier geht ein elektronischer Beat Hand in Hand mit E-Gitarren. Leider gehen während des Durchhörens auch einige Tracks unter und bleiben nicht im Gedächtnis. Das liegt weniger an einem gescheiterten Experiment und mehr an der individuellen Qualität der Songs. Trotzdem kann man das Projekt wohl als erfolgreich bezeichnen. „Making A Door Less Open“ fühlt sich wie eine Ansammlung von einzelnen Singles wie „Can`t Cool Me Down“, „Hollywood“, „Martin“ oder „There Must Be More Than Blood“ an.

Fazit

7.1
Wertung

Zugegebenermaßen ist der Versuch elektronische Musik und Rock zu kombinieren kein neuer Ansatz. Trotzdem ist es nach mehreren klassischen Indierock-Alben von Car Seat Headrest ein frischer Wind in der Diskographie und Fans werden sicherlich einzelne Tracks aus dem Album in ihre Playlisten einarbeiten.

Niels Baumgarten