3
min read

The Naked And Famous und „A Still Heart“: Weniger Synthie und noch mehr Gefühl

Di, 13.03.2018 - 12:00
The Naked And Famous sind für ihre teils bombastischen Synthiepophymnen bekannt. Die Band aus Neuseeland begeistert ihre Fans seit Jahren mit tiefsinnigen Texten und tanzbaren Melodien. Mit „A Still Heart“ beweist sie ihr Können in den leisen Gefilden und kleiden alte Songs in einem sanften Gewand.

The Naked And Famous sind für ihre teils bombastischen Synthiepophymnen bekannt. Die Band aus Neuseeland begeistert ihre Fans seit Jahren mit tiefsinnigen Texten und tanzbaren Melodien. Mit „A Still Heart“ beweist sie ihr Können in den leisen Gefilden und kleiden alte Songs in einem sanften Gewand.

Die eigenen Songs neu aufzunehmen und zu verändern ist für Musiker wie für die Fans aufregend und risikoreich. Das Gefühl der Lieder zu bewahren und ihnen dennoch ein neues Kleid zu schneidern ist eine Herausforderung, die nicht jedem gelingt. The Naked And Famous, allen voran das Frontduo Alisa und Thom, haben es gewagt, reisen zurück zu ihren Songs und reißen das Synthie-Gewand herunter. Darunter verbergen sich sanfte, anschmiegsame und teils wehmütig zerbrechliche Lieder, welche auf „A Still Heart“ nun gebündelt erscheinen.

Fallen die Beats und Synthieklänge weg, verändert sich das Gefühl der Songs teils massiv und beweist die Wandlungsfähigkeit der Band. „Girls Like You“ war 2010 ein Track zum Tanzen und überzeugte mit einem straighten Beat und Mehrstimmigkeit. Auf „A Still Heart“ gibt es fast nichts als Thoms Stimme und der Begleitung durch eine Akustikgitarre. Ein paar kleine Synthienuancen werden zwar gesetzt, bleiben jedoch so im Hintergrund, dass man es fast als Akustikversion bezeichnen könnte. Die Stimmung des Liedes bleibt erhalten und erhält doch eine immense Portion Wehmut dazu. Auch Alisa singt deutlich sanfter und verleiht den Noten so ein anderes Gefühl als noch vor acht Jahren.

Am deutlichsten wird die Wirkung dieses Projektes wohl bei „Punching In A Dream“. Auf „Passive Me, Aggressive You“ schrie Alisa beinahe über die Bleeps und Bloops des Synthies, während ein treibender Beat das Lied untermalte. Die bereits vorab veröffentlichte neue Version, welche mit dem Zusatz „(Stripped)“ versehen wurde, zeigt ein ganz anderes Bild. Eine leicht mit Vocoder verzerrte Stimme singt sanft und vorsichtig, nur begleitet von einer minimalistischen Instrumentalisierung. Der Text ist der selbe wie im Original und doch zeigt sich erst hier, sieben Jahre später, die wahre Schönheit seiner Worte. Traurig schöne Fragilität in Wort und Noten sorgt für Gänsehaut und feuchte Augen beim Hörer.

Auch die Version von „Young Blood“, welche einen Tag vor Release des Albums erschien, wirkt zurückhaltend und nachdenklich. Der Song, der einige Preise gewann und beispielsweise auch vom Musiksender Viva massiv gespielt wurde, erscheint auf den ersten Blick fröhlich. Doch nun kommt der Text zur vollen Entfaltung. Das dazugehörige Video ist gefüllt mit nostalgischen Videoaufnahmen der Band und zeigt die Reise, welche die beiden Frontfiguren gemacht haben. Zeitgleich gab die Band bekannt, dass Drummer Jesse Wood und Keyboarder Aaron Short aussteigen werden, um sich neuen Projekten zu widmen. Die Kombination dieser Ereignisse lässt das Video und den Song noch dramatischer erscheinen.

Wie bereits erwähnt ist eine Idee wie „A Still Heart“ nicht leicht umzusetzen und doch ist es der Band gelungen. Teilweise sind die Songs einfach schöne Versionen bekannter Songs in einem neuen Gewand. Doch dazwischen haben sie den alten Tracks ein ganz neues oder deutlicheres Gefühl verliehen. Man könnte fast vermuten, dass einige Lieder nur darauf gewartet haben, genau so aufgenommen zu werden. Mit neun Songs aus der eigenen Vergangenheit hat die Band einen gelungenen Querschnitt ihres Schaffens der letzten elf Jahre gewählt und neu interpretiert. Dazu gibt es noch ein Cover des Massive-Attack-Songs „Teardrop“, welches sich einwandfrei in das Album integriert.

Wer ein neues Synthiepopfeuerwerk erwartet hat, wird hier nicht fündig und dennoch sollten gerade Fans der Band definitiv reinhören. Das neue Gewand steht den Songs ausgezeichnet und beweist, dass The Naked And Famous mehr können als nur tanzbare Beats und Pophymnen. Gingen früher die Texte beinahe ein wenig unter oder verbargen sich hinter fröhlich anmutenden Melodien, zeigt sich hier das wahre Gesicht der tragischen Zeilen.