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Hey Jetman und "I Go Out": Ambivalenz der Inspiration

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Do, 01.02.2018 - 15:39
„I Go Out“ ist das Pop-Projekt eines Jazzmusikers – und fällt dafür erstaunlich unaufgeregt aus.

Das kann man nun so oder so auslegen. Hey Jetman ist die neue Band von Martin Krümmling, einem Berliner Jazz-Schlagzeuger, der in seiner Karriere bisher vor allem in seinem Fach entsprechenden Ensembles gespielt hat. Sein neues Projekt sucht nach neuen musikalischen Herausforderungen und soll Krümmlings persönlichste Seite wiederspiegeln. Ein Konzept, das man durchaus nachvollziehen kann. Ähnlich wie Steven Wilson, der im vergangenen Jahr ebenfalls ein Album im bewusst zugänglichen Stil erarbeitet hatte, kann auch Krümmling seine Wurzeln dabei nicht so ganz verraten. Und so begleitet zum Beispiel „While It Shows“ seine zuckerweiche Melodie mit jazzigen Changes und tanzt mit funkiger Herbie-Hancock-Hammondorgel. Im Kern bleibt „I Go Out“ aber trotzdem poppig-zahm und experimentiert lieber mit anderen Sound-Elementen. Sowohl „The Orbiter“ als auch „The Joker And The Passer By“ bauen mit schwebender Pink-Floyd-Gitarre klangliche Weite auf, Songs wie das fröhlich hüpfende „Up And Down“ geben sich dagegen bewusst unbeschwert, „Tinder And Tears“ versinkt im Synthie-Nebel und erweckt 80er-Sound-Ideale.

Die Vielfalt auf „I Go Out“ ist damit definitiv gegeben, trotzdem klingt das erste Werk von Hey Jetman zu oft nach Pilot-Projekt. Kein Element des Albums will wirklich abfallen, und doch (oder gerade deswegen?) lässt die Platte über ihre gesamte Spieldauer an Biss vermissen. Man merkt Krümmling und seiner Band in jedem Moment an, dass sie ihr Handwerk mit spielender Sicherheit beherrscht, ein wirklich prägnanter Gedanke fehlt „I Go Out“ aber. Klasse statt Masse wäre hier die bessere Wahl gewesen, zumal Hey Jetman unzweifelhaft beweisen, wie viel Ideenreichtum in ihnen steckt, zu dessen Ausformulierung es aber noch an Konkretheit mangelt.