Im Kreuzverhör #42: Creedence Clearwater Revival - "Cosmo's Factory"

Einmal monatlich stellt sich die Redaktion gemeinsam Platten außerhalb ihrer Komfortzone. Dieses Mal wirft Moritz "Cosmo's Factory" von Creedence Clearwater Revival in den Ring.
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Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass, als dieses Album mich kennenlernte, man vermutlich noch öfter die Floskel mit "Fug und Recht" verwendete. CCR, (nicht zu verwechseln mit ZZ Top, gleiche Phonetik, verschiedene Schreibweise) sind eine der vielen Bands, die ich durch meinen Vater kennenlernte. Allerdings lief die Kassette oder CD, so genau weiß ich das nicht mehr, schon durch das Väterliche Vehikel, als man auch noch regelmäßiger Vehikel sagte. Was ich sagen möchte, die Platte lernte mich kennen, bevor ich sie bewusst kennenlernen konnte. Und die heutige Bedeutung hat sie für mich auch eher durch meinen Bruder. Mit seinem wilden Mix aus Rammstein, Linkin Park, All That Remains, den Ärzten, Canned Heat und eben CCR hat er mich zu großen Teilen mit Musik außerhalb von Hörspielkassetten sozialisiert. Aber "Cosmo's Factory" hat in der CCR Diskografie einen besonderen Stellenwert. Angefangen mit einer meiner absoluten Lieblingsszenen in einem meiner Lieblingsfilme, welche mit "Lookin' Out My Back Door" untermalt ist. Die Rede ist übrigens von The Big Lebowski. "Who'll Stop The Rain" ist ein so epischer Klassiker, ebenso unterschätzt, wie die Band im allgemeinen. "I Heard It Through The Grapevine" für mich ein absoluter Mythos, da ich bis heute nicht verstehe, warum dieser Song über elf Minuten lang sein muss, allerdings liebe ich jede Sekunde. Aber das Album kann jede Stimmung einfangen. Aufgedreht und gut gelaunt wie in "Travelin' Band", beschwingt wie in "Lookin' Out My Back Door", ruhig und melancholisch in "Long As I Can See The Light". Liebe und Nostalgie wenn ich dieses Album höre.

Mein (drastisch ausgedrückt) “Problem” mit Creedence Clearwater Revival und allen möglichen anderen 70er-Jahre-Classic-Prog-Rock-Bands (no offense an die sehr vigilante Pink-Floyd-Front in der Redaktion, #stillbetterthanPUR) ist, dass mir das alles immer zu altbacken klingt. Das geht mir (leider) auch mit “Cosmo’s Factory” so. Auch wenn ich die vielen kleinen Spielereien und die nicht zu vernachlässigende innovative Kraft dieser Band durchaus an der ein oder anderen Stelle raushöre, es ist mir soundtechnisch einfach komplett egal. Eventuell unterzeichne ich hier den Untergang meiner eigenen Kredibilität, aber that’s the way it is. Ich kann zwar anerkennen, dass das alles total wegweisend und damals natürlich super neu war und so weiter und so fort, aber emotional lässt es mich halt komplett kalt. Das Meiste, was ich da aufbringen kann, ist gelegentliches Aufhorchen, anerkennendes Nicken und hier und da mal ein wippender Fuß. Außerdem habe ich mit Creedence Clearwater Revival oft die eher unangenehme Assoziation von jemandem, der (oder die, aber let’s be honest, meistens männlich 40+ mit einer Affinität für Haargel und Lederjacken) relativ energisch erklärt, dass das “ja noch echte Musik” sei, und heutzutage sei das ja eh alles digital und die Leute können alle ihre Instrumente nicht mehr spielen. Mag ja sein, aber klingt trotzdem geiler…

Ist es jetzt positiv oder negativ, wenn ich mich die ganze Zeit in einem Tarantino-Abspann gefangen fühle, wenn ich dieses Album der Band mit dem viel zu langen Namen höre? Es war ein ziemlicher Fehler „Cosmo‘s Factory“ von Creedence Clearwater Revival (das ist das erste und letzte Mal, dass ich diesen Namen ausschreiben werde) bei kreativer Arbeit zu hören. Oftmals lehnte ich mich zurück, genoß die epochalen Blues-Rock-Klänge und dachte „Huh, das ist von denen?“. Dieses Erlebnis zog sich dann so gut wie komplett durch dieses fast einstündige Album. Generell lässt sich sagen, dass ich diesen Classicrock-Vibe, auf dem ich lange Zeit meines Lebens gefahren bin, schon lange nicht mehr gefühlt habe und dieses Album hat mich zurück in die ziemlich fragwürdige Zeit geworfen, als ich Led Zeppelin für das Nonplusultra der virtuosen Gitarrenmusik gehalten habe.Cosmo‘s Factory" ist für mich wie ein guter Film, einmal anhören und gut finden reicht mir vollkommen, auch weil das Genre lange nicht mehr so einzigartig ist, wie es viele Menschen denken!
Das Cover ist aber wirklich das beste am Album, da passiert so viel, dass ich es kaum aushalte, nicht die ganze Zeit draufzustarren.

"Endlich wieder Kreuzverhör, die beste Zeit im Monat! Hatten wir schon? Achso. Dieses Mal wirft irgendein Mitglied der Redaktion, präzisiert Moritz, ein weiteres Album in den Ring, dessen musikalischer Inhalt so weit von den Komfortzonen der komischerweise immer noch freiwilligen Teilnehmer:innen dieses Formats entfernt ist, wie ich davon, das Kreuzverhör irgendwann mal satt zu werden. Ganz weit weg also. Es ist folglich davon auszugehen, dass der Zeitpunkt kommen wird, an dem wir hier jeden erdenklichen Stil diskutiert haben. Ob es das an anderer Stelle schon einmal gab, wage ich zu bezweifeln. Dann schreiben wir vielleicht eine Kolumne über unserer eigenes Format, die dann durch die Decke geht! Zum Album: Geiles Zeug! Ein Blick aufs Cover verrät, welch geniale Zeit das gewesen sein muss im Jahr 1970. Würden wir heute alle mit so Frisuren rumlaufen (Ein Teil der Redaktion kommt doch schon nah dran!), es wäre mir ein Fest. Zeitreise also in schönere Zeiten, als im Radio (denke ich) noch coole Musik lief und man andere, vielleicht angenehmere Probleme hatte als gerade. Musikalisch klingt das alles nach Sonnenschein. Bisschen wie Truck Stop in richtig gut. Die haben es halt auch nicht erfunden was sie da machen. "Who'll Stop The Rain" hab ich auf jeden Fall schon Mal gehört. Danke Moritz! Für die Erinnerung, wie gut dieser Song ist, eingebettet in seinesgleichen. Fand ich echt gut!"