Zwo Eins Risiko und „Herz“: Der Name ist Programm

Der Begriff „Herz“ ist im Kontext der Liebe in erster Linie positiv konnotiert. Nun wird auf dem Cover der Debüt-EP von Zwo Eins Risiko ein Herz mit bloßer Hand zerdrückt. Worauf lässt das schließen? Ein zynisches Werk voll Hass? Wohl kaum.
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Wer Album der Woche genauer verfolgt, dem werden die beiden Hamburger Val und Leo Keller als eine der vielen „Unter dem Radar“-Bands schon ein Begriff sein. Die beiden haben sich auf eine nicht ganz konventionelle Bandbesetzung geeinigt, so bestehen Zwo Eins Risiko lediglich aus Schlagzeug und Bass. Doch das reicht auch vollkommen aus. Denn was sie daraus machen, ist absolut beeindruckend. Und doch ist der musikalische Aspekt nicht mal der hervorstechendste. Denn es sind die Texte, die das Herz der „Herz"-EP bilden.

Thematisch widmet sich die komplette EP den Facetten des „Herz zeigen“. Das beginnt gleich gut mit „Keiner ist zu alt um jung zu sterben“. Der Track wirkt so in sich wie eine sehr gelungene Belehrung. Denn hier wird gut erklärt, dass man nie zu alt ist, um genau das zu tun - Herz zu zeigen, für die Dinge einzustehen, an die man glaubt und die man liebt. Dafür ist man nie zu alt, egal, was andere sagen.

Letzterer Punkt ist auch das zentrale Thema im Titeltrack „Herz“. „Nichts schlägt härter als dein Herz.“ Dieser Satz bildet das Zentrum des Songs, wenn nicht sogar der ganzen EP. Der Gegenwind kann nicht zu stark sein für die Sachen, die einen bewegen und antreiben. Dann ist nichts wichtiger als dein Ziel. Und auch der rotzige Grundton kann über die sprühende Hoffnung der Texte nicht hinwegtäuschen.

Wobei der Grundton erstmal recht hart herüberkommt. Egal wie optimistisch der Inhalt klingt, der Gesang wird in einem fast pöbelnden Ton vorgetragen. Der Beweis, wie viel Punk die Hoffnung verträgt.

Humoristisch geht es in „Anarchie Made in Germany“ weiter. Ein Blick darauf, wohin die deutsche Pünktlichkeit gegangen ist. Was früher das Beharren auf das Einhalten von Zeiten war, ist heute das Beharren auf unnütze und größtenteils ungeschriebene Gesetze. Aus deutscher Pünktlichkeit wurde deutsche Penibilität. So stellt der Verzehr vom morgendlichen Knoppers vor halb zehn Uhr morgens einen ähnlichen Ungehorsam dar, wie das Rauchen außerhalb des gelben Vierecks am Bahnsteig - wobei gerade Letzteres für manchen Bundesbürger wohl mit Zuchthaus nicht unter zehn Jahren bestraft werden würde und mit einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleichgesetzt wird. So kann man mit kleinen Gesten schon eine Menge Menschen auf die Palme bringen. Ein bisschen Anarchie im beschaulichen Deutschland. Wobei es auch Zwo Eins Risiko übertreiben, Ketchup zu Weißwurst wird nicht nur in vielen Bayern einen gehörigen Brechreiz auslösen.

Die „Herz"-EP unterhält auf die wohl schönste Art und Weise. Denn sie, und damit wäre auch die letzte Möglichkeit dieses Wort zu benutzen genutzt, berührt das Herz des Hörers. Zwo Eins Risiko appellieren an die geheimen Wünsche, Träume und Sehnsüchte des Hörers und ermahnen ihn regelrecht dazu, genau diese nicht zu vergraben. Dazu kommt noch eine gehörige Portion Humor, die das Debüt der beiden Hamburger vollends abrundet.

Fazit

8.2
Wertung

Nun hat das Debüt doch schon eine Weile auf sich warten lassen, doch es hat sich absolut gelohnt. Zwo Eins Risiko sprechen geschickt Themen an, die ihnen offensichtlich auf der Seele brennen und sie wissen auch, wie man sie musikalisch kongenial umsetzt. Das beste Debüt ist, wenn man während dem Hören vergisst, dass es ein Debüt ist. Und das war hier der Fall.

Moritz Zelkowicz