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The Vintage Caravan und „Gateways“: Viel Rock’n’Roll und ein bisschen zu viel Acid

Do, 06.09.2018 - 16:42
The Vintage Caravan präsentieren sich auf “Gateways” deutlich gereifter und erwachsener, vielleicht ein bisschen zu erwachsen.

Das dritte Album. Der berüchtigte Punkt, an dem es heißt: make it or breake it. Während man dem Vorgänger “Arrival” noch mangelnden Fortschritt vorwerfen kann, ist “Gateways” deutlich durchdachter und sehr vielseitig. Dafür büßt es leider gegen Ende auch einiges an dem für die Band typischen Drive ein.

 

“Set Your Sights” beginnt mit einem schön rotzigen Gitarrenlick, die sich sofort festsetzen und mindestens zum Kopfwippen animieren. Was direkt auffällt, ist der Gesang, der im direkten Vergleich zu den beiden Vorgänger-Alben um Längen besser ist. Sänger Óskars Gesangslinien sind deutlich vielschichtiger und variabler, der Mann hat in den drei Jahren seit “Arrival” einiges dazugelernt. “Refelctions” ist der wohl härteste Song der Platte und klingt dabei fast schon wie die Hippie-Version von Motörhead. Mit “On the Run” haben sich die drei Isländer allerdings keinen Gefallen getan. Abgesehen davon, dass “On the Run” einfach der ausgelutschteste Songtitel der Welt ist, macht der Song auch sonst nicht viel richtig. Beim Hören wird deutlich, dass die Band hier auf Biegen und Brechen etwas Neues versuchen will. Vielversprechende Ansätze sind dabei durchaus vorhanden, trotzdem ist der Song mit sechs Minuten viel zu lang und dass 100000 mal “I’m living on the run” gesungen wird, macht das Ganze auch nicht besser. Sänger Óskar kann die langen repetitiven Parts einfach nicht füllen, dafür ist er dann doch nicht gut genug.

Die härteren Nummern auf “Gateways” machen allerdings ausnahmslos Spaß: “All This Time” und “Reset” sind feinster 70er Rock mit Proto-Metal-Kante, fettem Groove und ordentlich Drive. “Hidden Streams” erweitert das Repertoire um eine Red Hot Chili Peppers-Facette, funktioniert alles ausgezeichnet. Auch “Nebula” kann mit progressiven Riffs noch überzeugen, allerdings wird spätestens bei “Farewell” deutlich, wo die Schwächen im Songwriting der Isländer liegen. Der Titel klingt nach spätestens 20 Sekunden ausgelutscht, siehe “On the Run”. Man versucht irgendwie nach Pink Floyd zu klingen, was ungefähr so gut passt, wie wenn AC/DC Tool covern würden. Bei groovigen Nummern ist das Trio bärenstark, aber mit diesem Experiment tut man sich hier keinen Gefallen. Dass die langweiligsten Songs alle hintereinander den letzten Block der Platte bilden, hilft dem Gesamteindruck auch nicht weiter.

Bleibt abschließend zu sagen, dass sich The Vintage Caravan zwar auf einem guten Weg befinden, sich auf “Gateways” aber nur zum Teil auf ihre Stärken besinnen können.