Starke Frauen-Power auf Exit Eden’s „Rhapsodies In Black“

Sobald man liest, dass es sich bei Exit Eden eigentlich nur um eine Coverband handelt, vergeht den meisten schon die Lust. Nicht ganz unberechtigt stellt sich nämlich die Frage: Braucht die Welt wirklich noch eine Coverband, die große (Pop-)Hits in das Gewand des Rocks steckt?
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Exit Eden bestehen aus vier der stärksten Rock- und Metal-Sängerinnen unserer Zeit. Mit Amanda Somerville und Marina La Torraca war die Hälfte des internationalen Quartetts bereits bei Avantasia, dem Metal-All-Star-Projekt von Tobias Sammet, zu hören; Clémentine Delauney unterstützte Kai Hansen’s Solo-Projekt. Anna Brunner hingegen ist bisher ein unbeschriebenes Blatt, steht aber in ihrer Gesangsqualität den anderen in nichts nach. Damit sind wir auch bei der Stärke des Albums: Jede Sängerin leistet auf „Rhapsodies In Black“ eine großartige Performance ab!

Somerville und La Rorraca bringen stimmlich großes Volumen und damit schon opernhafte Tragik in den Sound der Band. Besonders in Songs wie Depeche Modes „Question Of Time“ und „Impossible“ von Shoutelle bringen diese Stimmen eine neue Ebene in die Interpretation, die definitiv ihren Mehrwert hat. Die Krönung ist allerdings das Bond-Theme „Skyfall“ von Adele, das in der gitarrenlastigeren Version mit einer sehr technischen Somerville mehr überzeugt als das Original. Was in den einen Songs hervorragend stimmig wirkt, ist in anderen Songs allerdings eine Nummer zu viel. In den modernen, im Original eher poppigen Songs wie „Unfaithful“ oder „Paparazzi“ ist die Theatralik, die mit solch einer gesanglichen Tonalität einhergeht, einfach übertrieben und verliert somit zu sehr an Glaubwürdigkeit. Besonders getroffen hat es dabei die Backstreet-Boys-Schnulze „Incomplete“, die noch übertriebener daherkommt als das Original. Das ist zwar eine Leistung, aber eben keine erstrebenswerte.

Der Gegenpol zu den klassischen Stimmen nimmt das Küken Breuner ein und verleiht vielen Songs mit rauem, energetischen Sound willkommene Varianz. Durch sie übertrifft „Unfaithful“ zumindest in den Strophen das Original. Delauney bleibt im Vergleich eher unauffällig, schlägt aber genau damit die Brücke zwischen den Extremen. Das kommt vor allem Katy Perrys „Fireworks“ zugute. Herausgekommen ist dabei eine großartige Symbiose der Vier, was auch durch die musikalische Neuinterpretation mit eingeflechteten Gitarrensoli und dominantem Schlagzeug unterstrichen wird.

Das beste Cover liefern Exit Eden aber mit der Bonnie-Taylor-Nummer „Total Eclipse“ ab. Während das Original nur noch ein langweiliger Platzhalter im Radio ist, hauchen die Mädels dem Song wieder frisches Leben ein. Wer hätte bei der Ursprungsversion daran gedacht, dass der Song eigentlich für Meat Loaf von seinem langjährigen Songwriter und Produzent Jim Steinmann geschrieben wurde? Niemand. Nun bekommt man aber endlich einen Eindruck, wie episch und kraftvoll dieser Song hätte sein sollen - von nun an nur noch in dieser Version, bitte!

Allgemein entfernt sich die musikalische Neu-Inszenierung nie weit vom Original. Die prägnanten Momente werden gern durch Gitarren und Keyboards weiter herausgearbeitet, während man den Rest durch klassische Hard Rock Riffs ersetzt und mit vereinzelten Soli etwas aufhübscht. Durchweg eine solide Produktion.

So harmonisch sich die unterschiedlichen Stimmen innerhalb der Songs verhalten, so wenig passen die Songs aber im Albumkontext zueinander. Songs von Rihanna, Lady Gaga, Adele und Katy Perry kann man noch gut in einen Topf werfen. Taucht dazwischen aber eine 90er Madonna, Bryan Adams, Bonnie Tyler oder (noch schlimmer) Visage auf, wird es innerhalb der Albumkonstellation holprig und zu sprunghaft. Auch hier gilt wieder, dass der getragene, epische Grundtenor innerhalb der Songs stimmig ist, aber das reicht nicht, um alle Songs unter einen Klang-Hut zu bekommen. Ein roter Faden existiert in „Rhapsodies In Black“ daher nicht.

Exit Eden haben dennoch ihre Daseinsberechtigung. Schließlich geht das Bandkonzept prinzipiell auf: Vier starke und zur Abwechslung mal weibliche Stimmen verleihen bekannten Songs eine härtere Gangart. Zügelt man jetzt noch etwas den Übermut von Amanda Somerville und lässt den Gedanken an eine Albumkomposition nicht völlig außer Acht, könnte sich Exit Eden etwas länger halten als andere Projekte aus dem Hause Napalm Records.

Fazit

6.5
Wertung

Mich ärgert diese Platte. Die Sängerinnen machen einen großartigen Job, überzeugen gesanglich unumstritten auf ganzer Linie und kreieren auf ihrem Debütalbum vereinzelt echte Cover-Kracher. Aber es ist ein Album und auch ein Cover-Album muss so etwas wie ein stimmiges Gesamtkonzept haben – und das gibt es hier einfach nicht.

Miriam Rhein
5.4
Wertung

Metal-DJs können sich freuen: Exit Eden liefern gleich elf Coversongs für jeden Grufti-Disco-Abend, die mal mehr, mal weniger originell "in Black" umgewandelt worden sind. Bis auf wenige Ausnahmen leiden die Songs aber an den gleichen Schwächen wie die Originale: Langweilige Poprhythmen mit Texten ohne Message werden auch im Cover nicht unbedingt besser. Für die Disco reicht es aber.

Lucio Waßill