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Space Chaser / Distillator und ihr Split-Album: Innovation? Überbewertet!

Sa, 19.05.2018 - 16:42
Distillator und Space Chaser zählen mittlerweile zu den umtriebigsten und angesagtesten Thrash-Metal Bands Europas. Das Produkt ihrer Zusammenarbeit ist ein Split-Album, das die Wartezeit bis zu jeweils eigenen Releases etwas versüßen kann.

Um eins vorwegzunehmen: Distillator klingen wie die frühen Destruction oder Slayer mit zeitgemäßem Sound. Das Trio aus den Niederlanden zeigt sich seit jeher technisch hochversiert und präzise. Hier gibt‘s kein Gerumpel, sondern pfeilschnelles Riffing, Slayer-Gitarrensolos und ultratightes Drumming. Musikalisch darf hier natürlich keine Innovation erwartet werden, bei einer Band wie Distillator kann aber durchaus darüber hinweggesehen werden. Nicht nur der Sound, sondern auch das Image und die Attitüde sind quasi eins zu eins von den oben genannten Bands kopiert. Dies ist hier allerdings nicht als Kritik gemeint, denn Distillator vermitteln noch die jugendliche Energie und Aggression, die bei vielen Szene-Veteranen heutzutage leider fehlt.

Musikalisch sind die Songs ausnahmslos stark, man fühlt sofort das typische Zucken in der Nackengegend und hat das überwältigende Bedürfnis, gleich auf der Stelle einen Moshpit zu starten. Leider bleiben die ersten zwei Songs der Platte nur schwer im Gedächtnis hängen. Mit “Gates of Autonomy”, der mit wechselnden Dynamiken und Mitsing- (oder Mitgröhl-) Refrain glänzt, zeigen Distillator trotzdem, warum sie zu den erfolgreichsten Newcomern der letzten Jahre zählen. Das abschließende Slayer Cover “Black Magic” passt natürlich wie die Faust aufs Auge und schließt die Distillator-Seite der Platte sehr geschmackvoll ab.

Space Chaser klingen im Vergleich zu Distillator deutlich amerikanischer. Die Produktion ist etwas fetter, die Songs verspielter, melodischer und generell abwechslungsreicher. Besonders hervorzuheben ist dabei die Stimme von Sänger Siggi: So würde Bruce Dickinson wahrscheinlich klingen, wenn er bei Metallica angeheuert hätte.

Nach einem gut gemachten Intro geht es mit der ersten Single “Virus” auch direkt mit Höchstgeschwindigkeit zur Sache. Hier zeigt sich bereits, dass Space Chaser, gerade beim Songwriting, im direkten Vergleich mit Distillator die Nase vorn haben. Die Songstrukturen sind klarer, der Refrain bleibt sofort im Ohr und der Midtempo-Teil in der Mitte des Songs punktet mit einem grandiosen Doublebass-Gewitter. Der Coversong auf dieser Seite ist “Tied Down” von Negative Approach, der in seiner Einfachheit überraschend gut im neuen Thrash-Metal-Gewand funktioniert. Der letzte Song “The Adversary” ist fast schon klassischer Heavy Metal. Ein hymnischer Refrain und sehr straighte Riffs, die stellenweise an Bands wie Saxon erinnern, zeigen die Vielseitigkeit, die Space Chaser ausmacht: Ein sehr frischer Abschluss, der große Lust auf das nächste Album der Berliner macht.