Sleaford Mods und „Spare Ribs“: Extra knochig

„Spare Ribs“ heißt das fünfte und damit neueste Album des englischen Electro-Punk-Duos Sleaford Mods. Trotzdem wirkt wenig neu auf diesem Album. Aber warum etwas ändern, wenn es bisher so gut war?
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Eine durchlaufende Drum Machine, ein treibender Bass und ein paar programmierte Instrumente, plötzliche Songenden, gepaart mit politisch/gesellschaftlichen Texten aus einem modernen englischen Realismus und fertig ist das Konzept der Band. Minimales Setup, minimale Beats und ein großer Fokus auf dem Sprechgesang des Sängers Jason Williamson. Zu sagen, dass Sleaford Mods das Gleiche wie Idles nur mit einer Drum Machine und weniger Gitarren ist, ist etwas kurz gedacht und wird keiner der beiden Bands gerecht. Aber sagen wir es mal so: Wer Idles mag, wird auch Sleaford Mods mögen.

Lyrisch rechnet „Spare Ribs“ wieder einmal tief zynisch mit dem Zustand der englischen Unter- und Mittelschicht ab. Schon wieder? Naja, was will man machen, wenn der Zustand nach 14 Jahren Bandgeschichte nicht besser geworden ist. Personen wie Elon Musk, Aphex Twin oder Jesus finden lyrisch alle in einem Song ihren Platz. Umgeben von Schimpfwörtern.

Aber ist wirklich alles beim Gleichen geblieben? Die größte Veränderung ist definitiv die Entscheidung, zwei Features einzuarbeiten. Und das ist auch das allerbeste am Album. Die australische Punksängerin Amy Taylor, die zeitgleich auch schon auf dem neuen Viagra-Boys-Album zu hören ist, macht beim Song „Nudge It“ den Anfang. Zwar hat sie hier nur einen kleinen Teil, aber der Effekt zieht. Auf der vorab erschienen Single „Mork n Mindy“ ist dann auch noch die bisher relativ unbekannte Sängerin Billy Nomates zu hören. Und Herr Gott ist ihr Part und die gesamte Single gut. Ihre und die Stimme von Mr. Williamson ergänzen sich auf wunderbare Art. Beide rau, doch die eine monoton, die andere melodiöser. Ein stetiger Wechsel von Sprechgesang und Gesang. Natürlich hat „Spare Ribs“ noch den Bahnhofsunterführungs-Charm der alten Alben, aber es besitzt auch seine Alleinstellungsmerkmale.

Fans werden sich freuen und hoffentlich nicht allzu enttäuscht sein, dass das Album die altbekannte Sleaford-Mods-Formel verwendet und außer den Features nichts neues auf den Tisch bringt. Ihr Stil ist ja ohnehin schon einzigartig genug und die Band hat sich in den letzten Jahren mehr als produktiv gezeigt, sodass wir wahrscheinlich eh nicht lange auf das nächste Album warten müssen. Vielleicht dann mit etwas mehr Mut zur Veränderung...

Fazit

7.4
Wertung

„Spare Ribs“ funktioniert ähnlich wie die bisherigen Sleaford-Mods-Alben. Die beiden Gastsängerinnen stechen aber noch einmal im Besonderen heraus und sorgen dafür, dass „Spare Ribs“ nicht bloß ein weiteres Album des britischen Duos ist.

Niels Baumgarten