Schreng Schreng & Lala – Echtholzstandby

Wie viel Punk steckt in einem Liedermacherduo? Die Frage ist eher: erhebt Schreng Schreng und Lala den Anspruch „Punk“ zu sein? Nur weil Jörkk Meckenbier der Sänger von „Love A“ ist? Aber wir wollen hier nicht klären was und wie weit Punk ist. Jedenfalls ist das zweite Album des Duos genauso vielseitig und gleichzeitig einfach, wie der Begriff des „Punks“ selber.
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Der neue Longplayer beginnt allerdings mit dem Lied „Punk“… welches aber einfach ein Intro darstellt. Oder ist es doch nicht so einfach wie es scheint. Vielen wird auffallen, dass es sich hier um die „Internationale“ handelt, welche von einer Spieluhr gespielt wird. Eine Kampfansage an den Punk? Eine letzte Erhebung um die eigenen Werte zu sichern und um sich von den Zwängen zu befreien. Ich finde, man kann sich hier frei fühlen das Ganze zu interpretieren. Aber das Album und die Art und Weise wie das Liedermacher-Duo sich durch die 12 Lieder, aus einer Kombination aus 9 eigenen und 3 gecoverten spielen, könnte man schon als „Kampfansage“ sehen. Jedenfalls ein Ausbrechen aus den Werten. Lasse und Jörkk erschaffen hier einen frischen und knackigen Sound, eine Symbiose aus einfachen, meist mit Gitarre begleiteten Liedern und tiefgründigen, schönen Texten. Der Sound ist irgendwie Punk, aber irgendwie auch nicht wenn man es „traditionell“ sehen möchte. Oder ist es vielleicht dadurch punkiger, als es andere Bands sind, die sich dieser Genrebezeichnung bedienen? Das darf jeder für sich selber entscheiden. Eins ist „Echtholzstandby“ auf jeden Fall. Eine gelungene Fortsetzung des Debüts „Berlusconi“.

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Im neuen Album bekommt der Hörer wieder ehrliche Lieder über Sehnsucht, Liebe, Scheitern in wohl bekannter „Love A“-Manier, ohne “Love A” zu sein. Ohne große Schnörkel, aber trotzdem vielseitig. Lieder die trotz ihrer scheinbaren Einfachheit nicht langweilig werden. Erfrischend anders und tiefgründig. Teilweise Selbstironisch, teilweise Sarkastisch, teilweise werden platte Attitüden verwenden, wie im Lied „Natalie“ in dem nicht nur mit französischen Dialekt gesungen wird, sondern einfach von platten Klischees vollgestopft ist. Aber auch ernste Lieder wie das vorab veröffentlichte „Ekel und Abscheu“ - Ein Lied gegen Intoleranz, Homophobie, Ausgrenzungen. Oder der Opener „Plastikfressen“ - gescheiterte Popstars, die meinen sonst wie groß und wichtig zu sein, die sich aber mit Autohauseröffnungen über Wasser halten müssen. Eine Abrechnung mit den ganzen Castingshows, die Leute kurzzeitig in höhere Sphären heben und anschließend fallen lassen.

Man muss sich die Platte mehrmals und aufmerksam anhören. Nicht nur, weil die knapp 30 Minuten schnell herum sind und man mehr möchte. Der Hörer wird jedes Mal tiefer in die Lieder gezogen. Wie beim Vorgänger auch, sollte man sich auch hier das Booklet zur Hand nehmen, sich auf die Couch setzen und das gesamte Werk einfach genießen, die Lieder fühlen und sich von Lasse und Jörkk mitziehen lassen. Wer dies tut wird zusätzlich mit einem schönen Artwork belohnt. Beim Hören des Werkes bekommt zusätzlich noch einen Eindruck, dass die beiden Spaß beim Schreiben und einspielen hatten. Es ist natürlich.

Jörkk Mechenbier sagte einmal: „Und ich weiß auch, dass niemand, wirklich niemand, ein weiteres Duo alternder Punkrocker braucht …“ - Doch braucht man. Wenn es so erfrischend und kurzweilig ist wie Echtholzstandby. Dann braucht man es. Musik, die man einfach genießen kann