Royal Republic und „Club Majesty“: Aus alt mach neu

Ihren typischen, band-eigenen Sound mischen Royal Republic auf Album Nummer vier mit verschiedenen Retro-Sounds. Sie toben sich aus, was „Club Majesty“ interessant, aber zugleich auch weniger tanzbar macht.
Royal Republic Club Majesty Cover

Rock’n’Roll-Attitüde, schicke Bühnenoutfits, eingängige Ohrwurm-Melodien, witzige Texte und diese sexy Stimme: So kennt man Royal Republic. Mit „Club Majesty“ legen die Schweden jetzt ihr viertes Album vor. Die Erwartungen sind hoch, schließlich verlegten sie ihre Tour um mehrere Monate, um die Platte so fertigstellen zu können wie sie es sich vorstellten.

Schon die Singles „Fireman & Dancer“ (mit Saxophon!) und „Boomerang“ vorab zeigten, dass Royal Republic nicht allzu weit abgewichen sind von dem, was auf den Vorgänger-Alben schon so gut funktionierte. Auch der Blitz, der schon auf dem „Weekend Man“-Cover zu sehen war und seit Jahren fest zum Bühnenbild der Band gehört, hat durchgehalten und ist nun Teil des Club-Majesty-Logos.

Aber zurück zur Musik. Die Singles werden direkt mit Track eins und drei abgefahren, es folgt das etwas gemäßigtere „Under Cover“, das trotzdem das altbekannte Funkige der Musik nicht vermissen lässt. Auch „Like A Lover“ fängt ruhig an, mit einzelnen, teils elektronischen Klängen, der Gesang erinnert zunächst eher an Classic Rock der 80er Jahre. Es dauert eine halbe Minute, bis der Song sich aufgebaut hat, nur um eine Minute später dann alle Instrumente herauszunehmen und den Fokus noch mehr auf den Gesang zu legen. Was zwischendurch etwas chaotisch klingt und deswegen deutlich weniger tanzbar ist als man das von Royal Republic gewohnt ist, ist mal etwas Neues und durchaus interessant zu hören. Weiter geht es im nächsten Song mit einem Intro, das auch als Titelmusik einer Retro-TV-Sendung dienen könnte. Wie die Band bereits im Interview mit Album der Woche verriet, sind das eben ihre Einflüsse: Musik aus vergangenen Jahrzehnten. Das ist auch auf weiteren der insgesamt elf Songs zu hören. So beginnt „Stop Movin“ mit verzerrter Stimme, die an alte Club-Songs erinnert. „Anna Leigh“ dagegen erinnert in einzelnen Passagen dezent an Rick Astley oder Wham!. Mutig, aber es passt überraschend gut zu dem Quartett. Mit „Bulldog“ schließen Royal Republic das Album noch einmal mit einem lauten, schnellen und funkigen Song ab, wie man ihn von früheren Alben gewöhnt ist.

Royal Republic bleiben ihrem Musikstil im Großen und Ganzen treu, bringen aber deutliche neue Aspekte hinein, die aus anderen Jahrzehnten stammen  ̶  wie auch schon das Cover mit dem bekannten Blitz, aber dem eher retro-angehauchten Club verrät. Das macht „Club Majesty“ zu einem interessanten Hörerlebnis. Dabei kommen weniger tanzbare Melodien herum als erwartet, was wohl auch daran liegt, dass es das erste Album ist, bei dem die vier jungen Herren nicht ihre Live-Auftritte im Hinterkopf hatten.

Fazit

7.8
Wertung

Super, dass Royal Republic sich mal etwas Neues überlegen. So gut die ersten drei Alben auch waren, man will nicht immer wieder das Gleiche hören. Und das ist „Club Majesty“ sicherlich nicht. Trotzdem hört man ganz klar den Sound der Band heraus (sonst wäre ich auch sehr enttäuscht gewesen).

Lara Teschers