Leprous und „Pitfalls“: Ein tiefer Fall

Auf dem Papier klingen Popmusik und pompöser Progressive-Rock wie genaue Gegensätze. Erstere wird meist einfach gehalten, während Letzterer den Ruf hat, unnötig kompliziert zu sein. Dass die Kombination tatsächlich möglich ist, beweisen Bands wie Steven Wilson oder The Alan Parsons Project. Leprous wiederum belegen auf ihrem neuen Album, wie Prog-Pop in die Hose gehen kann.

2001 gründeten zwei Norweger die Band Leprous. Nun kann die mittlerweile zum Quintett angewachsene Band mit „Pitfalls“ ihr sechstes Album verbuchen. Charakteristisch für ihre Musik ist neben der musikalischen Komplexität vor allem der Gesang des Frontmannes und Keyboarders Einar Solbergs. In schwindelerregende Höhen singt er hymnisch und zählt für manche zu den besten Sängern der Progressive-Metal-Szene. Auf der aktuellen Platte wenden die Skandinavier sich aber immer mehr vom Metal ab und widmen sich, zur Überraschung Vieler, dem Pop. Die ersten fünf der insgesamt neun Songs wirken dabei einschläfernder als eine warme „Gute-Nacht-Milch“ mit einem extra großen Schuss Honig. Das liegt aber nicht an dem langsamen Tempo, sondern vielmehr an der nicht existenten (Weiter-) Entwicklung der Songs. Man hat das Gefühl, dass die eine musikalische Idee über Minuten hinweg schlichtweg wiederholt wird. Ein besonders tiefer Fall ist dabei die Single „Alleviate“, die nur so von musikalischen Klischees wimmelt. Vorhersehbar, monoton und langweilig ist das Urteil.

Erst ab dem sechsten Track „At The Bottom“ geben die Norweger ein Lebenszeichen von sich. Der Song kann mit einem dreckigen Bass Sound, spannenden B-Teil und einem Geigen-Arrangement von Bent Knees Chris Baum überzeugen. Der Schlusssong „The Sky Is Red“ ist mit über elf Minuten der mit Abstand längste Song der Platte und ebenfalls einer der wenigen Lichtblicke des Albums. Hier gibt die Band sich experimentierfreudig.

Lyrisch beschreibt jeder Song eine Phase der Depression des Sängers Solbergs. Diese hat er mittlerweile überwunden, aber die Texte bleiben Zeugen dieser. Ein spannendes Konzept, welches aber leider durch die Mängel im Songwriting untergeht.

Fazit

4.2
Wertung

Ein Album, welches man mit Fallschirm hören sollte, um vor den Sturz in die endlose Langeweile gerüstet zu sein. Selbst Solbergs Vocals können diese Platte nicht mehr retten.

Niels Baumgarten

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