Hotel Books und „Equivalency“: Ein vertontes Tagebuch?

Hinter Hotel Books verbirgt sich ein US-amerikanisches Solo-Projekt von Cameron „Cam“ Michael Smith, welches sich aus diversen stilistischen Einflüssen zusammensetzt. Instrumental ist „Equivalency“ zwischen poppigen Radio-Songs und seichtem Rock anzusiedeln, während Texte und Gesang (stellenweise) an Elemente des Hard/-Metalcore erinnern.
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Die 32-minütige Spielzeit des düsteren Albums wird eingerahmt in ein zusammengehöriges Konstrukt aus Intro und Outro („From Porterville“ /“With Love“). Begleitet von ruhigen Klaviertönen entsteht anfangs mittels kreativer Stilelemente durchaus Interesse am folgenden Material. Die entgangene Nachricht des Anrufbeantworters wird mutmaßlich autobiographisch aufgearbeitet; lyrisch verschachtelte Zeilen, die durch die Steigerung des Sprechgesangs an Intensität zulegen. Zudem werden einige Trommelwirbel eingespielt, was die Wirkung unterstreicht. So weit, so gelungen.  

Man fühlt sich vorbereitet; es kann losgehen. An dieser Stelle driften jedoch Erwartung und Realität auseinander. „Van Guys“ lässt die Spannungskurve etwas abflachen und folgt dabei dem Schema des Intros: ruhiger Anfang mit leicht gesteigertem Schluss. Diese Struktur findet man in gleich mehreren Liedern, so auch im Fall von „I´m Almost Happy Here“. Auf diese Art entsteht kein durchgängiger Hörfluss. Interessant sind die wiederkehrenden Sprachnachrichten der (Ex-)Freundin (?), welche seitens Smith fortlaufend verarbeitet, kommentiert und analysiert werden. Es entsteht eine drückende Grundstimmung, die durch klassische Balladen („Fears We Create“) und Singer/Songwriter-Stücke („I Knew Better, But I Did Nothing) aufrechterhalten wird. In dieses Bild möchte „Celebration“, seinerseits als offizielles Video veröffentlicht, nicht hineinpassen. Ein nahezu fröhlicher Pop/Rock-Song über besagte Inhalte funktioniert nur mit viel Vorstellungskraft. Zum Ende der Platte beschreibt eine Sie-Erzählerin zusammenfassend die zwischenmenschlichen Abgründe, stets in sprechender Form. Das Material hinterlässt, trotz guter Ansätze, gemischte Gefühle.

Auf inhaltlicher Ebene verfolgt Cam Smith ein schlüssiges Gesamtkonzept. In der Umsetzung hingegen stehen einige packende Nummern ebenso vielen vertonten „Tagebucheinträgen“ gegenüber. Letztere würden vermutlich eher spannendes Lesematerial als den großen musikalischen Wurf abgeben. 

Fazit

6
Wertung

Ich sehe „Equivalency“ als ungewöhnliches Machwerk, das hinter seinem großen Potential zurückbleibt. Textlich hochwertiges, persönliches Material wird stellenweise enttäuschend langatmig umgesetzt.  

Marco Kampe