Heaven Shall Burn und „Of Truth And Sacrifice“: Metalcore und abwechslungsreich?

Die Thüringer Metalcore-Band Heaven Shall Burn ist nach zwei Jahren Pause mit ihrem achten Studioalbum zurück – und mit was für einem. 97 Minuten lang balancieren die Jungs auf dem Doppelalbum „Of Truth And Sacrifice“ gekonnt zwischen Metalcore und Melodic Hardcore.
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Auf dem Album mit knapp über eineinhalb Stunden Laufzeit finden sich 19 Songs mit einer Länge zwischen eineinhalb und knapp neun Minuten. Die Band ist sich ihrem Stil treu geblieben, der Gesamtklang des Albums ist sehr nah am Sound der alten Platten. Mehrheitlich sind die Songs also im Metalcore zu verorten, gewohnte, schnelle Blastbeats mit Doublebass und aggressive, ausgeklügelte Gitarrenriffs, kombiniert mit Marcus‘ besonderer Art des Shoutens. Doch besonders interessant machen das Album die Tracks, die aus diesem Klangbild ausbrechen. Genannt sei hier „Expatriate“, das mit Klavier- und Streicherbegleitung und zeitweise deutschem Text auf einer Gesamtlänge von fast neun Minuten glänzt und so ein bisschen Ruhe in das sonst so temporeiche, laute Album bringt.

Eine weitere interessante Ausnahme stellt „The Sorrows of Victory“ dar. Mit Cleangesang, den man bisher selten von Heaven Shall Burn gehört hat, teils geringerem Tempo und einem Klang, der fast an Melodic Deathcore erinnert, fällt der Song wirklich auf.

Auch den Abschluss des Albums macht ein sehr melodisch-ruhiger Song. „Weakness Leaving My Heart“ ist zu Beginn eine Komposition aus Streichern und Klavier ohne Vocals, die in einen Melodic-Metal-Part übergeht. Eine Verbindung, die der Band hier wahnsinnig gut gelingt.

Textlich bewegt sich das Album da, wo sich auch Heaven Shall Burn öffentlich positionieren. Die Band spricht sich klar gegen Patriotismus, Nationalsozialismus und rechtes Gedankengut aus. Sie äußern sich generell gesellschaftskritisch, so lenken sie unter anderem Aufmerksamkeit auf psychische Erkrankungen oder kritisieren die Leistungsgesellschaft.

Fazit

8.4
Wertung

Heaven Shall Burn – oder auch „die Rockergruppe aus dem Nichts“, um Pietro Lombardi zu zitieren - haben mit dem Album ein Meisterwerk des Metalcores geschaffen. "Of Truth And Sacrifice" ist abwechslungsreich bleibt dennoch dem altbekannten und -bewährten Sound treu. Gerade die melodischen Tracks bereichern das Album und sind absolut gelungen.

Jannika Hoberg
8.8
Wertung

Der Eklat im thüringischen Parlament ist nur einer von vielen Gründen, warum jenes unterrepräsentierte Fleckchen Erde nach neuen Helden lechzt. Heaven Shall Burn nehmen diese Rolle dankend an und liefern ihr Opus Magnum, was in diesem Fall weit über eine quantitative Betrachtungsweise hinausgeht. Ungeschönte Statements und brachiale Instrumentalisierung münden in einen verdienten Ausgleichstreffer im globalen Metalcore-Duell mit Parkway Drive. „Of Truth And Sacrifice“ gibt sich nicht mit Missständen zufrieden, es radiert diese aus (soweit musikalisch möglich). Headliner der Gegenwart? Gefunden!

Marco Kampe