The Ghost Inside und ihr selbstbetiteltes Album: Kraftpaket

The Ghost Inside sind mit dem lang erwarteten ersten Studioalbum seit dem tragischen Busunfall 2015 zurück. Die selbstbetitelte Platte vermischt den gewohnten Melodic Hardcore mit einem neuen Kampfgeist, mit dem sich die Band wieder an die Oberfläche kämpfen will.
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Diesen puren Kampfgeist bringen sie direkt nach dem Intro mit „Still Alive“ an vorderster Front des Albums, der Text erzählt von Aufopferung und bringt Aussagen wie „what doesn’t kill you makes you stronger“ mit. Auch weitere Titel auf „The Ghost Inside“ gehen in ähnliche Richtungen, so etwa „Phoenix Rise“ oder „Aftermath“.

Musikalisch ist das Album für eine fünfjährige Entstehungsgeschichte verhältnismäßig einheitlich. So einheitlich, dass kaum ein Song wirklich heraussticht und in Erinnerung bleibt. Die Shouts sind selten abwechslungsreich, die musikalische Untermalung klingt ebenfalls oft zu ähnlich, generell wird für eine zu Recht so erfolgreiche Band wenig Variantenreichtum geboten. Das kann aber auch als positiver Punkt angebracht werden, schließlich ist "The Ghost Inside" endlich wieder ein Album, das in allen Punkten zusammenpasst und wie aus einem Guss wirkt. Ob dies aber die Intention war, lässt sich nur vermuten – schließlich entspricht man damit dem Metalcore-Klischee, dass sowieso alles gleich klingt. Der einzige Song, der deutlich aus dem Klangspektrum ausbricht, ist „Unseen“, der mit sehr soften Gitarrenklängen einsteigt und dann über fast zwei Minuten ohne Vocals auskommt. Auch der abschließende Song „The Aftermath“ beginnt ruhiger und sorgt für wenigstens etwas an Varianz.

 

Der typische Sound der Band wird in Songs wie „Overexposure“, „Phoenix Rise“ und „One Choice“ abgeliefert, die wieder mehr in die melodische Richtung gehen. Sobald Clean Vocals auftreten, beweist die Band aber, dass Jonathan nicht nur kraftvolle Shouts beherrscht, sondern (der jetzt ehemalige) Bassist Jim ebenfalls mit seinem Gesang für ein stimmiges Gesamtbild sorgt. Wie viel Druck auf dem Album gelegen haben musste, erkennt man an Songtiteln wie „Pressure Point“ – die Erwartungen, als eine derart erfolgreiche Band nach dem Schicksalsschlag wieder aufzustehen und stärker zurückzukommen als vorher, müssen immens gewesen sein. 

Bei den aktuellen Geschehnissen kommt ein etwas fauler Beigeschmack bei „The Outcast“ auf, genauer gesagt mit der Textzeile „allow me to apologize“, als hätten The Ghost Inside gewusst, dass einen Tag nach der Veröffentlichung eine alte Rassismusdebatte – den Bassisten Jim betreffend – wieder losbrechen würde. Dieser hatte sich auf Twitter für eine rassistische Aussage der Vergangenheit recht aufrichtig entschuldigt, wurde aber dennoch aus der Band gekickt. Bei allem, was an „Black Lives Matter“ und antirassistischen Bewegungen gerade (endlich) in der Welt abgeht, aber sicherlich eine kluge Entscheidung, um den antirassistischen Standpunkt der Band zu festigen.

Fazit

6.2
Wertung

Das Album bleibt wenig abwechslungsreich, aber dennoch ist es als Gesamtpaket in sich stimmig. Gerade die etwas herausstechenderen Songs sind immer noch The Ghost Inside – und damit zu Recht erfolgreich. Es war ein Kraftakt, aus den schlimmen Erfahrungen von 2015 wieder ins Rampenlicht hervorzutreten, und diese Power kommt mit dem Album definitiv rüber.

Jannika Hoberg