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The Flesh Eaters und "I Used To Be Pretty": Midlifecrisis on Point

Do, 24.01.2019 - 16:07
Es war eine kleine Sensation als bekannt wurde, dass die Flesh Eaters sich nochmal in ihrer Gründungsbesetzung zusammenfinden, um es 39 Jahre nach ihrem Debütalbum noch einmal miteinander zu versuchen. Aber wieso?

Was war die Freude groß, als die Satanic Surfers im letzten Jahr ihr Comeback präsentiert hatten und was war es für ein Feuerwerk. Das Konzept hinter dieser Comebackplatte war einfach: Zeigen, dass man noch die gleiche Power hat wie früher, aber gleichzeitig zeigen, dass man älter, klüger, vielleicht sogar weiser geworden ist. Sich zu seinem Alter bekennen ist keine Schande, ganz im Gegenteil.

Beim ersten durchhören von „I Used To Be Pretty“ von The Flesh Eaters merkt man nicht viel von erwachsen werden. In Wahrheit hat das Album etwas Tragisches. Denn es erinnert sehr an die ersten Alben der Band, als sich dieser absurde Mix aus Soul, Punk und Jazz noch nicht gefestigt oder überhaupt richtig gefunden hat. So versucht sich dieses Album größer und interessanter zu machen als es ist. Das beste Beispiel ist der 13-Minuten-Closer „Ghost Cave Lament“. Eine kleine Effektschlacht, viel nachträglicher Hall und wirr gestreute Soundeffekte. Der Songs aber ist ziemlich anstrengend. Auch wenn es ein musikalisches Thema gibt, das variiert durch das ganze Lied führt, so wirkt alles Weitere improvisiert. Nicht gut improvisiert, denn Chris D. bekommt annähernd keinen geraden Ton heraus. In Kombination mit dem unkontrollierten Gejaule, welches ständig zwischenrein spielt, ist es ein absolutes Rätsel, wer sich diesen Track bis zum Ende durchhören soll. Die Länge per se ist ja kein Problem, es ist der Inhalt, bei dem auch fünf Minuten schon zu viel wären.

Das große Manko der Platte ist wohl, dass eigentlich in keinem Track ein System zu erkennen ist. Nicht mal einfaches Chaos, was gerne mal das System der Wahl ist, besonders wenn es um Punk geht. Aber Chris D., Steve Berlin und Co. bemühen sich um mehr als Chaos. Aber so unterschiedliche Musikstile zu mixen und zu hoffen, dass jeder Stil in jedem Track genug Bühne bekommt, ist einfach eine Herkulesaufgabe.

Und doch es gibt den einen Lichtblick auf „I Used To Be Pretty“. „She’s Like Heroin To Me“ macht in weniger als drei Minuten klar, dass diese Formation das Zeug dazu hätte, eine wirklich gute Platte zu machen. Das Tempo wird ein wenig gedrosselt, die Riffs sind klarer strukturiert, ein wenig erinnert es an „Should I Stay Or Should I Go“. Das Saxophon spielt sich auch immer wieder kurz in Rage, das passt einfach richtig gut. Warum nicht früher so? Warum erst als vorletzten Track? Und noch wichtiger: Warum kommt mit „Ghost Cave Lament“ so etwas Schreckliches? Dieses Album wirft mehr Fragen auf als es Antworten schenkt. Doch die wichtigste Frage bleibt: Wieso?

Tja, warum nur. Warum finden sich diese alten Herren nochmal zusammen? Nur um zu beweisen, dass sie es immer noch nicht können? Es gibt Alben, deren Sinn verborgen bleibt. „I Used To Be Pretty“ ist ein Paradebeispiel dafür. Der Versuch zu demonstrieren, dass man im Alter dazugelernt hat und es anscheinend nicht hat, ist eine schlechte Kombination.