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Disco // Oslo - Tyke

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Mi, 01.06.2016 - 18:15
86 Schüsse in den 90-ern inspirieren 4 Musiker 2016 ein Album mit 13 Liedern und einer Laufzeit von knapp 35 Minuten herauszubringen. Das neue Werk von „Disko // Oslo“ heißt „Tyke“ und präsentiert als Cover-Motiv die gleichnamige Elefantendame, die damals aus dem Zirkus ausbrach und nieder gestreckt worden ist.

Schon das Artwork mit 24-seitigem Booklet inklusive deutschen und englischen Texten sowie die unterschiedliche Präsentation des Albumcovers beweist, dass bei „Tyke“ nichts dem Zufall überlassen worden ist. Die auf 500-Stück limitierte rote Vinyl wurde extra mit einem roten Cover versehen, das ist Liebe zum Detail. Warum nun gerade die Elefantendame sinnbildlich für das Album steht erläutern wir in diesem Review genauer.

Musikalisch knüpft das neue Werk an das Debütalbum “s/t” an. Wieder einmal kann man versuchen, Disco // Oslo zwischen Turbostaat und Pascow zu positionieren. Vergleiche in dieser Hinsicht sind zwar passend, dennoch hat die Band auch etwas eigenes, wobei ein Vergleich mit vorher genannten Bands absolut keine Schande ist. Im Gegenteil.

Zu Beginn des Albums wird man von einem noch recht langsam wirkenden aber sich steigernden Intro von „Bis zum Hals“ begrüßt. Die einzelnen Instrumente setzen langsam an und schon nach wenigen Sekunden präsentiert sich das, was dem Zuhörer in den kommenden 13 Liedern erwartet. Schnelle Musik, melodische Lieder, intelligente Texte, bei der kein Blatt vor dem Mund genommen wird und eine Band, die wütend und verzweifelt wirkt. Das Ganze ist sowohl gesellschafts- als auch sozialkritisch. Verpackt mit der rauen Stimme von Tenzin macht das Ganze schon beim ersten Lied ziemlich Bock auf den Rest der Platte.

Textlich beschäftigt sich das Album mit dem aktuellen Livestyle in unserer Gesellschaft, dem Leben und doch nicht wirklich Leben. In „Teenageangst“ werden Disco // Oslo auch poltisch und kotzen sich über Unterdrückung, Krieg und den daraus resultierenden Ängsten aus. . Wie ein roter Faden ziehen sich diese Themen durch das gesamte Werk. Verrohung, Anpassung, Werteverluste werden in den unterschiedlichsten Facetten behandelt und lassen die Gedanken beim Zuhörer kreisen. Zwischen aktuellen Trends, die morgen schon Out sein können, zwischen Sehnsucht und Freiheit und zwischen dem Fliehen aus seinem eigenen und dem aufgezwungenen Leben. Das Album beschreibt als Gesamtwerk gut, wie man in der heutigen Zeit in seinem eigenen Denken unterdrückt wird und dabei droht kaputt zu gehen. Es heißt weiteratmen, bis es nicht mehr geht. Leistung bringen bis zum Umfallen. Ständig mehr müssen um weiter zu kommen, oder um einfach nur in dem vorgeschriebenen Rahmen zu überleben. Dabei bleiben die eigenen Sehnsüchte auf der Strecke.

Wir haben die einzelnen Lieder innerhalb der knapp 35 Minuten regelrecht verschlungen. Und ständig wieder von Vorn angefangen, um jedes Detail aufzusaugen und zu verinnerlichen. Dabei sind Musik und Artwork ein rundes Gesamtkonzept und ergänzen sich. „Tyke“ steht schlußendlich für Mut und Opferbereitschaft. Nur wenn wir mutig genug sind und bereit sind, Opfer zu bringen, können wir uns aus unseren Zwängen befreien.