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Destination Anywhere und „Bomben“: Manchmal sind die einfachen Dinge die Besten

Mo, 21.05.2018 - 12:03
Ska-Pop? Was ist denn das? Na, Destination Anywhere! Das neue Album „Bomben“ kommt herrlich ironisch daher und vielleicht mit dem aufdringlichsten Ohrwurm der letzten Jahre.

Das Albumcover kommt einem schon wie ein kleiner LSD-Trip vor: Ein Walross mit umgeschnalltem Propeller in der Luft schwebend, das Ganze vor einer grünen Stadt, die rot brennt. Man möchte dieses Zeug gar nicht rauchen, das solche Bilder auslöst. Doch was sich hinter diesem Cover verbirgt, ist gar nicht so, wie man bei der Szenerie vermuten mag von einer The Bennies-Coverband. Nein, was Destination Anywhere machen, ist in sich wohl einzigartig. Klar, der Sound selbst ist nicht unbedingt sehr innovativ, aber das macht diese Musik auch nicht aus. Es ist sehr rohe Rockmusik mit Blasmusik, fast wie in den Anfangstagen von so mancher Band, nur dass sich Destination Anywhere erst zu diesem Sound hinbewegt haben (und dass die wenigsten Bands mit Blasmusik anfangen).

Auch die Stimme von Sänger David Conrad wirkt rauer als je zuvor. Aber all das wird für „Bomben“ dringend gebraucht. Gewöhnlich sein und sich dadurch absetzten, das geheime Motto der Platte. In „Astronaut“ wird das einerseits gut getroffen, gleichzeitig aber auch gar nicht. „Doch ich bin nur ein durchschnittlicher Typ“, einerseits ja, denn musikalisch ist es zwar gut, aber viel mehr auch nicht, doch darum geht es eben auch nicht. Ähnlich wie Vizediktator lebt dieses Album von viel Herz und - ganz wichtig - jeder Menge Humor. Was die Jungs mit diesem Mix alles anstellen können, haben sie in „Behindert sein ist schwul“ schon vorab bewiesen. Der Text ist nichts Weiteres als eine Aneinanderreihung von verschiedenen Stammtischparolen. Sexistisch, rassistisch oder homophob - von jedem Arschloch ist etwas dabei. Bis zur Bridge, wenn dann Sprüche der links-grün-versifften als Konter dienen. Im dazugehörigen Video sitzt jemand mit einer Alexander Gauland-Pappmaske am schwarz-rot-goldenen Tresen und trinkt in Ruhe sein Herrengedeck. Das ist in seiner Aufmachung und Art und Weise nichts Aufwendiges oder Besonderes? Falsch, genau deswegen ist das so brillant. Das ist einfach, vielleicht wirklich nur das Nötigste, die Message auf das Wesentliche gekürzt und das noch in einem Rhythmus und einer Melodie, die das Ohr vermutlich nie wieder verlassen werden.

Das kann man eigentlich kaum toppen, doch „Monster“ ist so verdammt nah dran. Die Ängste von verschiedenen Menschen und ihrer Folgen in einen Song gepackt. Musikalisch und textlich ein weiteres Highlight.

Es ist sogar eine kleine Hommage an die Toten Hosen dabei. Ob gewollt oder nicht sei dahin gestellt. Obwohl: Aus Liebe Giftgas an Assad und Bomben an Al Aziz bin Saud zu verkaufen, ist schon ein anderer Beweis als sich aus Liebe umzubringen. Die Frage ist nur, was der größere Beweis ist. Tatsache ist: Dieser Liebessong macht deutlich mehr Laune als „Alles aus Liebe“ von den Hosen. Das ist auch eine weitere Konstante auf dem Album. Mit „Astronaut“, „Bomben“ und „Hollywood“ ist das Album gespickt mit Lovesongs, auch wenn die Herangehensweise jedes Mal verschieden ist. Während „Astronaut“ und „Bomben“ sehr schmissig und humorvoll bleiben, ist „Hollywood“ ein Akustiktrack, der nur mit Gesang, Gitarre und Blechbläser auskommt. Die Einfachheit macht das Stück besonders interessant, sehr emotional bis rührend. Das ist dann einfach nur schön.

Destination Anywhere kommen tatsächlich etwas unscheinbar daher, doch nur ein kurzer Blick hinter die Fassade bringt genau diese zum Einstürzen. Denn dieser Sound ist Teil eines großen Ganzen, das einfach nur herrlich ist. „Bomben“ macht Spaß, berührt und regt auch zum Nachdenken an.