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Blood Red Shoes und „Get Tragic“: Ungewohnt melancholisch und elektronisch

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Di, 29.01.2019 - 12:57
„Get Tragic“ – einen besseren Albumtitel hätte man für den fünften Longplayer des Duos aus Brighton wahrlich nicht finden können. Vom ersten Song an klingen Laura-Mary Carter und Steven Ansell dunkler, melancholischer und dramatischer – aber vor allem: elektronischer!

Seit dem letzten Release Ende 2015 haben sich wohl eine Menge tragischer Wendungen ereignet, die auf dem Album verarbeitet werden müssen: Zurückweisungen, Beziehungskrisen und die Angst, sich selbst nicht zu genügen. Ob die Zuwendung zum Synthie-Pop zu eben diesen tragischen Ereignissen zählt, obliegt wohl der subjektiven Meinung der treuen Hörerschaft.

Feststeht, dass Blood Red Shoes sich weiterentwickelt haben und auf „Get Tragic“ im veränderten Sound-Gewand daherkommen. Der Opener „Eye To Eye“ ist ein zuverlässiger Vorbote für die besondere Grundstimmung der zehn folgenden Songs. Lauernd, düster, dröhnend und doch detailverliebt wird das Album eröffnet. Die Synthies stehen schon jetzt im Vordergrund und das eher zurückhaltende Tempo verdichtet sich zu einem verträumt-dramatischen Refrain. Atmosphärisch verdienen Blood Red Shoes schon an dieser Stelle eine 10 von 10.

Die Vorab-Single „Mexican Dress“ kommt leichtfüßiger und schneller daher, während der Gesang eher unaufgeregt und leicht melancholisch bleibt. Ansonsten gibt es viel zu entdecken: Trommler-Gewirbel im Hintergrund, Rhythmuswechsel im Refrain, kurze Singalong-Parts und wilde, experimentelle Instrumentalparts mit ungewohnten Effektgeräuschen.

Neben diesen trickreichen Instrumentalausflügen stehen ganz klar die Gesangsstimmen im Fokus, während die klassischen Gitarren-Riffs eher sphärisch im Hintergrund schwirren. Ansells einnehmender Gesang harmoniert in „Anxiety“ wunderbar mit Carters Kopfstimme. „Find My Own Remorse“ klingt wunderbar verträumt und strahlend schön, wäre da nicht das unablässige Effektgeräusch, das sich konsequent und scheinbar endlos wiederholt.

Fans des klassischen Blood Red Shoes-Sounds kommen mit „Howl“ auf ihre Kosten, fühlt man sich doch, trotz der stets präsenten Synthies, an die Garage-Rock-Zeiten der Band erinnert. Carters dynamischer Gesang und die dröhnenden Gitarren-Riffs zeugen von bekannter Spielfreude. Die Bridge verschluckt schließlich alles, um die Musik im Anschluss noch dramatischer und schriller losbrechen zu lassen.

Trotz dieser Glanz-Momente kann der Gesamteindruck der Platte eher im guten Mittelmaß verortet werden. Die Synthie-Pop-Einflüsse wirken überrepräsentiert und eher wie eine um sich greifende Trenderscheinung, als eine logisch konsequente Weiterentwicklung des eigenen Sounds. Viele Songs klingen ähnlich wegen der immergleichen elektronischen Effekte und der bewährten Stilmittel des Rhythmus- und Tempowechsels. Der Gesang und die Grundstimmung der Platte bleiben stets im melancholisch-dramatischen Bereich verhaftet. So scheint selbst das Erfolgsrezept der hervorstechenden Songs schnell geknackt und berechenbar zu sein.