Blond und „Martini Sprite“: Das musikalische Äquivalent zur Verrücktheit

Es ist das Jahrzehnt hitziger Feminismus-Debatten, die Politik wird sich in jeder wichtigen Grundfrage immer uneiniger und der unerschütterliche Kampf zwischen Tinder und Lovoo wird immer noch fortgeführt. Und mittendrin bringen Blond ihr Debütalbum „Martini Sprite“ heraus.
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Um die Chemnitzer Band rund um Nina Kummer, Lotta Kummer und Johann Bonitz zu verstehen reicht es eigentlich schon, wenn man sich das Intro ihres Debütalbums anhört. Mit der gewollt fehlenden Ernsthaftigkeit wirken Blond dabei eher wie ein experimentelles Kunstprojekt von Berliner Studenten und weniger wie eine ernstzunehmende Band. Das sie aber mit genau dieser seltsamen Art zunehmend Konzerthallen füllen, ist sehr gut nachzuvollziehen. Denn die provokanten Texte, gemischt mit rockigen Einfüssen und einer Spur von Von Wegen Lisbeth, ziehen einen direkt in eine Welt, die unserer thematisch zwar ähnlich scheint, sich praktisch aber von unserem Verständnis der Realität komplett unterscheidet. Die hypnoseartige Schönheit der Songs lässt einen durch Mansplaining, Regelschmerzen und vergeblich gesuchte Tinder-Matches gleiten.

Jeder von uns kennt mindestens einen „Thorsten“. Ü40, weiß, hetero und steht so gar nicht auf Frauen in Machtpositionen. Das Frauen im Jahr 2020 dieser Art von Männern immer noch beim „Mansplaining“ zuhören müssen, ist fraglich und im Anbetracht unserer modernen Zeit ein wenig altmodisch. Genau diese Thematik greifen Blond in dem Song „Thorsten“ auf und rebellieren gegen das System, in welchem man Frauen keine IT-Kenntnisse oder handwerkliches Geschick zutraut. Themen wie diese kommen im Deutschpop leider immer wieder zu kurz. Und Blond haben es sich offensichtlich zur Aufgabe gemacht, diese Themen anzusprechen.

Dass Blond nicht gerade Mainstream Pop verkörpern, dürfte der Hörerschaft schon beim ersten Reinhören in die Platte auffallen. Die Vocals machen die Tracks noch eine Spur ausgefallener, als sie sowieso schon sind. Insgesamt harmonieren die einzelnen Komponenten des Gesangs, der Instrumentals und des Textes auf eine sehr schräge Weise miteinander. Blond sind der alternativen Pop-Szene einzuordnen, doch statt sich nur in diesem Bereich zu bewegen, bricht die Band aus und gestaltet ihr Debüt Album Pop-lastig, mit Rap und Soft-Rock-Elementen. Blond denken außerhalb der Popmusik-Box. Das Wort „zu verrückt“ ist anscheinend noch nicht in ihrem Wortschatz angekommen, was der Band eine Art Alleinstellungsmerkmal verschafft. Denn wer sonst würde einen Song über die Periode schreiben und im Musikvideo tanzende Menschen mit Blut überschütten? Einer muss es ja machen.

Fazit

7.3
Wertung

Meiner Meinung nach haben Blond die richtigen Themen zur richtigen Zeit angesprochen. Die Musik, wenn man dies noch als Musik bezeichnen kann, ist aber nicht gut und nicht schlecht, sondern einfach nur skurril. Da Schrägheit und Anders-Sein in der heutigen Jugend so richtig gut ankommen, glaube ich trotzdem, dass die Band sehr großes Potential hat.

Paula Thode