1
min read

Warmduscher und „Whale City“: Irrenhaus ohne Betreuer

Fr, 01.06.2018 - 18:47
Warmduscher visieren ein völlig beklopptes Konzeptalbum an, bleiben im Endeffekt aber musikalisch dünn.

Wahnwitz ist schon bei vielen Kunstschaffenden die Grundlage für epische Werke gewesen. Man denke nur an System Of A Down, deren völlig abstruse Zügellosigkeit zu einigen der fantastischsten Alben der frühen 2000er geführt hat, oder gar an King Gizzard And The Lizard Wizard, die im letzten Jahr den Mut hatten, ganze fünf Platten voller halsbrecherischer Konzepte zu veröffentlichen. Auch Warmduscher lassen sich von keinerlei Maßgaben einengen und erzählen in einer überzeichneten Rock’n’Roll-Garage-Orgie die Geschichte einer fiktiven Stadt voller seltsamer Charaktere. Warum die Londoner mit dem deutschen Namen trotzdem nicht an die Klasse anderer mutmaßlich aus der Irrenanstalt entflohener Künstler anknüpfen können? Weil sie im Gegensatz zu erstgenannten Referenzen nicht über das Genie verfügen, das man hinter der irrwitzigen Fassade sucht.

Das klingt jetzt härter, als es im Endeffekt ist. Im Grunde ist „Whale City“ ein grundsolides Album mit recht markantem Stil, das aber trotz vollem Einsatz seiner Erschaffer nie über ein sinnbildliches Achselzucken hinauskommt. Frontmann Clams Baker Jr. überdreht seine Stimme etwa pausenlos, allerdings dermaßen penetrant, dass der daraus resultierende Effekt irgendwann verpufft. Im melancholischen Closer „Summertime Tears“ verstellt er sein Timbre gar zu einer gepressten Kopfstimme und klingt plötzlich wie Mr. Hankey, der sprechende Kothaufen aus South Park. Kacke sind Warmduscher natürlich nicht, recht eindimensional hingegen schon.

Denn egal wie irre Warmduscher auch mit Hammond-Orgel und groovendem Bass durch ihre Songs jagen, egal wie viele Background-Chöre und Gesangsvariationen sie noch für ihre Songs benutzen und egal wie sehr sie mit komplett substanzbefreiten Instrumentalteil in „The Sweet Smell Of Florida“ ausrasten – man will der Band schlichtweg nicht abnehmen, dass hinter all diesen durchtriebenen Momenten eine durchdachte Vision steht. Insgesamt fehlt es „Whale City“ nämlich schlicht am Aha-Moment, der für Aufklärung hinter dem ganzen Trubel sorgt. Da ist es fast schon angenehm, wenn sich Warmduscher in „Standing On The Corner“ einmal an einem schlichten und pointierten Bass-Groove entlanghangeln. Dabei möchte man sich doch eigentlich darüber freuen, dass dieser Band alles völlig egal ist.