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The Penske File und „Salvation“: Fels in der Brandung

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Do, 05.04.2018 - 08:10
Bodenständiger Rock, verpackt in abwechslungsreichen Arrangements, transportiert neben ungeheuerlicher Lässigkeit auch eine Spur Nostalgie. Die Besprechung eines Longplayers, der es in sich hat.

„Kamikaze Kids“ gibt unmissverständlich die Marschrichtung für die folgende Spielzeit vor; die in Noten niedergeschriebene Lebensfreude ködert ab der ersten Sekunde. Ein kurzer Ruf und schon legt ein massives Schlagzeugspiel gepaart mit lebendigem Riffing richtig los. Mächtig vitaler Einstieg und es soll noch eine gute halbe Stunde so weitergehen. Freiheitsmotive erwarten den Hörer en masse. „Till then I´m restless“, Bestandteil des Refrains von „Lakeshore“, fasst diese nur zu gut zusammen. Ebenso ergeht es einem im Fall von „Spin My History“. Es bleibt Ansichtssache, ob das nicht fahrtaugliche Gefährt des Albumcovers inmitten einer Savannenlandschaft tatsächlich als „Salvation“ angesehen werden kann, aber: Artwork und Musik ergänzen sich auf ihre ganz eigene Weise.

Aufbruch und die stets energiegeladene Attitüde bringen The Penske File mit „Last Chance“ gekonnt auf den Punkt. Warum immer warten und Möglichkeiten nicht am Schopfe greifen? Mit „Golden Future“ geht ein Gruß raus an Social Distortion, welche die angeführten Trademarks mit Sicherheit entscheidend mitgeprägt haben. Geradlinige Rocker im Stile von „Fairgrounds“ dürfen ebenso wenig fehlen, wie zunächst gemächliche, sich allerdings fortlaufend steigernde Stadion-Hymnen à la „American Basements“ oder „Come What May“. Allzu oft wird in der populären Musik (leider) nicht auf eine Mundharmonika zurückgegriffen. Dass sie kein verstaubtes Relikt vergangener Western-Streifen ist, wird an dieser Stelle unter Beweis gestellt. Streckenweise entwickeln The Penske File mittels positiver Einfachheit fast Radiopotential; sofern man die Gitarrenwände etwas hintergründiger abmischen würde. Gut, dass von dieser Option abgesehen wird. Das Ende des Longplayers kann die Güteklasse des bisherigen Materials nicht erreichen, was für den überzeugenden Gesamteindruck allerdings nur unwesentlich ins Gewicht fällt.  

Insgesamt streift „Salvation“ immer mal wieder andere Genregrenzen, besinnt sich aber im richtigen Moment auf die Stärken von Väterchen Rock. Warum also sollte ein (vermeintlich) agileres Rad erfunden werden, wenn man auch den bewährten Fels in der Brandung haben kann? Rock´n´Roll muss eben nicht zwangsläufig Indie-Pop-Anleihen aufweisen, um Anhänger zu finden.