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Bad Wolves und „Disobey“: Zahnloses Debüt der amerikanischen Metal-B-Riege

Mo, 07.05.2018 - 16:35
Mit ihrem Cover von “Zombie” gingen Bad Wolves im Internet viral, das eigene Material wirkt dagegen wie lauwarme Modern-Metal-B-Ware.

Bad Wolves bestehen aus Musikern, die unter anderem bei Devildriver, In This Moment, God Forbid oder Snot aktiv waren oder sind. Und diese Ansammlung der zweiten Reihe des amerikanischen Metalcores (oder eben New Wave of American Heavy Metal) hat jetzt mit “Disobey” ein Album veröffentlicht.

Eins vorweg, bevor es mit der Musik weitergeht: Der Promo-Text zu dieser Scheibe besteht zu 90% aus Statistiken für den Song “Zombie”: iTunes #1, Milliarden Klicks auf YouTube und Billionen von Streams auf Spotify. Eigentlich sollte Dolores O’Riordan (Frontfrau der Cranberries) ebenfalls an dem Song mitwirken, verstarb aber tragischerweise ein paar Tage vor dem geplanten Aufnahmetermin. Auch wenn die Band die Einnahmen, die sie durch diesen Song erwirtschaftet, ihren Kindern spendet (steht ebenfalls im Promotext), wirkt das Ganze doch wie die Instrumentalisierung des plötzlichen Ablebens der Sängerin. Verstärkt wird der Eindruck durch unzählige “RIP Dolores”-Posts auf Facebook, in denen statt der Originalversion dieses Cover verlinkt ist.

Musikalisch sind Bad Wolves ein Mix aus den oben genannten Bands, lassen allerdings jedwede Originalität vermissen. Die Jungs sind allesamt Profis, die kalkuliert die Genre-Standards abfrühstücken und formelhaft Songs aneinanderreihen. Die typischen tief gestimmten Gitarren, Stakkatoriffs, Geschrei im Wechsel mit Cleangesang. Alles solide, aber eben auch ohne eigene Note. Die klinisch, glatt polierte Produktion, die jegliche Authentizität vermissen lässt und das lieblose Cover (ganz im Ernst, das bekommt jeder Design-Student im ersten Semester hin), passen da geradezu perfekt ins Bild. Beim ersten Song “Officer Down”, stiehlt die Band bereits schamlos bei Slipknot und der Text ist lyrisch so platt, dass es wirkt, als hätte die Band eher nach vermarktbaren Themen gesucht, die möglichst viel Aufmerksamkeit erregen. Ansonsten sind die Songs auf der Platte bestenfalls solide B-Ware, ein paar Songs stechen aber auch hier aus dem Mittelmaß hervor. So zum Beispiel “No Masters”, der mit Faith No More-Grooves und gut gesetzten Gesangslinien punktet. Solche Ausbrüche aus dem Metalcore/Djent-Korsett geschehen aber zu selten. Auch Songtitel wie “Jesus Slaves” wirken in dem Kontext und dem Image, welches diese Band pflegt, albern.

Abschließend bleibt zu “Disobey” nicht viel zu sagen, bis auf, dass nach dem Hören sogar der Titel albern ist. Hier wird nicht rebelliert es wird konforme Gefälligkeitsmusik gemacht. Natürlich ist alles musikalisch solide, jedoch ist das Album derart seelenlos und kalkuliert, dass die Musik hier nur Mittel zum Zweck ist.