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Angry Youth Elite und „Ready! Set! No!“: Ein Modellbausatz namens Punkrock

Di, 15.05.2018 - 12:51
Angry Youth Elite und „Ready! Set! No!“ – Ein Modellbausatz namens Punkrock

Unbestritten: Das Lehrbuch „How-to-play-some-Punkrock“ hat die Formation mit äußerstem Elan verinnerlicht. „Ready! Set! No!“ bedient sich der Errungenschaften einiger Alt-Helden und setzt diese per kontinuierlicher Reproduktion in Szene.  Wenn es auch durchweg ordentlich scheppert, so mangelt es an Alleinstellungsmerkmalen und dem wesentlichen Überraschungsmoment.

Das nicht als solches betitelte Intro verkörpert ein beachtliches Energiebündel. Die Drosselklappe wird so weit wie nur eben möglich geöffnet und der Kraftstoff strömt mittenmang in den Punkrock-Motor. Kein Text und kein überschwänglicher, künstlich inszenierter Spannungsbogen. Passt soweit.

Der vorerst positive Eindruck verfliegt, sobald „Pissed“ startet. Die 2-Minuten-Marke wird unterboten, das Tempo bleibt hoch, doch bei gänzlich fehlender Aussagekraft hätte man sich die Mühe der Vocals schenken können - dann lieber ein rein instrumentales Album. Lieder wie „No Matter Who Cares“ oder „Anger Turns To Hate“ sind allenfalls Durchschnitt. Mehr Tiefgang, weniger Plakatformat – das wäre wünschenswert und umsetzbar, betrachtet man andere aufstrebende Bands jener Gattung.

„Again & Again“ wartet mit einer unüberhörbaren Prise Social Distortion auf. Jene Stilrichtung steht der Angry Youth Elite weitaus besser zu Gesicht. Vorherige Tracks, welche sich ab und an in Richtung Hardcore orientieren, bedürfen einer vom Brandwein und Zigaretten behafteten Stimme. Derart ungestüm ist der Sänger allerdings nicht unterwegs, sodass diese Nummern nicht vollends zünden können.

Ein einziges Mal ereignet sich dann doch etwas Unerwartetes: Der Rausschmeißer des Albums packt mit einer karibisch anmutenden Strophengestaltung. Das Einparken und Abstellen nach einer holprigen, knapp halbstündigen Fahrt mit dem angezählten Verbrennungsmotor erfolgt problemlos.

Abschließend kann ein Wechselbad der Rockergefühle konstatiert werden. Die nicht unbedingt schlechten Songs können den Schatten aus Plattitüden und ständiger Wiederholung nicht entfliehen: Ein fader Beigeschmack.