Das Festival für Festivals — die Rettung in der Not(?)

Not macht erfinderisch. Das gilt auch im Fall der Corona-Pandemie. Wegen der ungewollten Livemusikpause, die die Pandemie über den Festivalsommer gelegt hat, haben die Veranstalter*innen des “Festival für Festivals” den Campingplatz kurzerhand in die heimischen Gärten verfrachtet.
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Konzertberichte sind bei Album-der-Woche normalerweise ein zentraler Bestandteil des Magazins, aber aufgrund des aktuellen Konzertmangels war diese Art Artikel in den vergangen Monaten schwer umsetzbar. Wir haben im April schon mal über Musik und Corona gesprochen und schon da war abzusehen, dass der Festivalsommer 2020 sehr anders aussehen wird als bisher - vor allem sehr viel leerer. Für uns als Fans und Fanzine-Betreiber*innen drückt das natürlich extrem auf's Gemüt, aber für die Veranstalter*innen, Künstler*innen und Beschäftigten der Festivals hängt daran eine finanzielle Existenz. Um die zumindest ein Stück weit zu retten, haben sich in einer bemerkenswerten Soli-Aktion viele Festivals, Künstler*innen und Initiativen zusammengeschlossen, um das “Festival für Festivals” auf die Beine zu stellen.

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Über 150 Festivals, darunter namhafte Vertreter wie das Happiness Festival, die Breminale oder das Summer Breeze, sind Teil des “Festival für Festivals”. Die Aktion wurde in's Leben gerufen von Höme, einem Online-Magazin für Festivalkultur. Unterstützt wurde die Initiative auch von zahlreichen Künstler*innen, deren Festivalauftritte ebenfalls durch Corona verhagelt wurden. Blackout Problems, Goldroger, ITCHY, Montreal, VAN HOLZEN, Juse Ju, - die Liste ist lang. Stattgefunden hat das dezentral angelegte Festival vom 21. bis zum 23. August in den Gärten der Republik, sowie natürlich online. Auf insgesamt drei virtuellen Stages wurden ein Wochenende lang Auftritte der letzten Jahre, Dokumentationen, Quizshow-Livestreams, Debatten über die Kulturbranche und vieles mehr gezeigt. Falls ihr euch fragt, wie Festivalfeeling ohne Campingplatz-Flunkyballturniere überhaupt funktionieren soll - auf der Homepage des Festival für Festivals findet sich unter anderem eine Bildergalerie mit den schönsten Zusendungen der Teilnehmenden, und so viel sei verraten: Auch trotz der räumlichen Verlagerung sind ziemlich viele absurde Fotos dabei rumgekommen.

Wer sich ein “Ticket” für das Festival gekauft hat, bekam aber neben dem Zugang zum digitalen Bühnenprogramm noch ein Festival-Carepaket nach Hause geschickt, denn was wäre ein Festival ohne das richtige Ambiente? AdW-Redakteurin Jannika hat das Paket ausgepackt und geschaut, was drin ist. Das Wichtigste für's richtige Festivalfeeling ist — ganz klar — das Dixi. Das wissen auch die Leute hinter dem “Festival für Festivals”, und deshalb gab’s in jedem Paket einen Dixi-Klo Starschnitt in Türgröße. Außerdem dabei: das obligatorische Festivalbändchen, ein Shirt mit dem “LineUp” (für das man erfrischender Weise nicht nochmal 35€ drauflegen musste), Platikbecher, denn auch den heimischen Fernseher sollte man beim Konzert-Livestream nicht mit Glasflaschen bewerfen, diverse Snacks und Gimmicks in Form von Einmaltattos, Stickern, sowie ein Foodtruck-Kochbuch, denn schon Karl Lagerfeld hat immer gesagt: Wer sich auf einem Festival gesund ernährt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren! Sämtliche aus den Festivalboxen generierten Einnahmen fließen (abzüglich der Produktionskosten) direkt an die teilnehmenden Festivals und Initiativen. Wie viel Geld genau bei der Aktion gesammelt wurde, haben die Veranstalter*innen bisher noch nicht bekannt gegeben. Ob wir mit unserer kollektiven Gartenparty also den Festivalsommer 2021 gerettet haben, bleibt noch abzuwarten.