State Champs und „Living Proof“: Sommertauglicher Wohlfühl-Trip

State Champs halten mit „Living Proof“ gekonnt die Waage zwischen Pop und Punk-Rock. Ihre authentischen Songs handeln von Liebe und Trennungen und klingen dabei nach Sommer und Aufbruch.
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In einigen Teilen Deutschlands werden bereits die lang ersehnten Sommerferien eingeläutet. State Champs liefern den passenden Soundtrack und klingen nach einer Mischung aus High-School-Abschiedsparty, mit offenen Autofenstern der Sonne entgegenfahren und sich auf Festivals verlieben. Seit 2010 versorgen sie ihre Fans mit Pop-Punk und bedienen damit ein Genre, das sich immer größerer Beliebtheit und Bekanntheit erfreut. Auf ihrem dritten Album verströmen sie eine ungeheure Energie und etliche Songs mit positiven Vibes und Mitsing-Garantie.

Thematisch singen die Pop-Punker aus den Vereinigten Staaten vor allem über Liebe, den damit einhergehenden Herzschmerz und verarbeiten dabei auch persönliche Erfahrungen. Nicht nur als Band, sondern auch als Menschen haben sie sich weiterentwickelt und diese Erlebnisse in den Lyrics von „Living Proof“ aufbereitet. Sie besingen Alltägliches so authentisch, dass es nicht banal klingt und eröffnen ihrer Hörerschaft so zugängliche Inhalte mit hohem Identifikationspotential.

Auch ihr Sound ist dabei wunderbar eingängig und energiegeladen. Bis zum ersten ruhigen Titel „Our Time To Go“ entwickelt sich eine starke Dynamik von Song zu Song, die sich durch eine positive Grundstimmung und melodischen Gesang auszeichnet. Die Chorus-Parts klingen druckvoll und verlangen geradezu danach, lauthals mitzusingen. Wenngleich die meisten Titel vom selben Sound leben, bemühen sich State Champs um Abwechslung, indem sie in den einzelnen Songs die verschiedenen Instrumentalstimmen in den Mittelpunkt rücken. Während die Drums in „Criminal“ viel Raum einnehmen, liegt in „Something About You“ der Fokus auf melodischen Bass-Parts. „Frozen“ lebt vom leichtfüßigen Gitarren-Intro, das wie ein roter Faden durch den Song führt.

Die vorab veröffentlichte Single „Dead and Gone“, die eigentlich stellvertretend den Sound der Platte repräsentieren sollte, sorgt allerdings eher für einen verhaltenen ersten Eindruck. Direkt zu Beginn ertönen die obligatorischen „Oh-oh-oh“-s, die das Potential des Songs beinahe völlig zunichtemachen und im weiteren Verlauf noch in einen Chor-Part münden – an dieser Stelle sicherlich zu viel des Guten. State Champs wirken hier ein wenig zu aufgedreht und poppig und büßen so an Authentizität ein. Lediglich der Wechsel von rauen und sanfteren Gesangseinlagen wertet das Arrangement auf. Glücklicherweise folgt der Befreiungsschlag mit „Lightning“ direkt im Anschluss. Die Band klingt deutlich erwachsener und ernsthafter, wodurch sie ihre kurzzeitig eingebüßte Glaubhaftigkeit gekonnt zurückerobert. Verschiedene Instrumental-Soli, rhythmische Wechsel und ein starker Gesang komplettieren den besonderen Titel.

„Living Proof“ bietet insgesamt einen hohen Entertainment-Faktor. Die wenigen Durchhänger des Albums werden durch eine Handvoll besonders mitreißende Titel wieder wettgemacht, während sich der Rest der Platte im oberen Mittelfeld bewegt. Die Produktion, die in zwei gesonderten Sessions erfolgte, liefert eine Menge Material, das zum unbeschwerten Hören, Mitsingen und Wohlfühlen einlädt.

Fazit

7.2
Wertung

Während meines nächsten Road-Trips werden State Champs sicher in der Playlist landen. Der Gesang klingt hin und wieder kratzig genug und die Gitarren-Riffs genügend verzerrt, um die Songs nicht im Mainstream-Pop versacken zu lassen.

Sarah Ebert