Slime und "Wem gehört die Angst": Rundumschlag!

Slime bringen nach der auch von manchen Seiten kritisch beäugten Wiedervereinigung im Jahr 2010 mit "Wem gehört die Angst" Album Nummer drei nach der Reunion auf den Markt. Die Hamburger sind auch im Jahr 2020 noch in der Lage, eingängige Musik mit kritischen Texten zu kombinieren und vor allem den Mund aufzumachen.
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Slime befinden sich bereits im zehnten Jahr nach ihrer Wiedervereinigung in Form einer Headliner-Festival-Show auf dem Ruhrpott Rodeo. Drei der fünf aktuellen Bandmitglieder sind bereits seit guten 40 Jahren dabei, die ursprüngliche Gründung der Formation geschah unfassbar weit in der Vergangenheit liegend im Jahr 1979. Viel hat sich seitdem getan, die ganz wilden Jahre sind definitiv vorbei. Den Mund verbieten lassen sich die Hamburger aber ganz sicher nicht. So hat auch "Wem gehört die Angst" eine klare Meinung sowie deutliche Kritik zu bieten. Diese Kritik feuert die Band standesgemäß in unterschiedlichste Richtungen.

Wer sich auf die Suche nach Institutionen der deutschen Punkmusik begibt, kam an Slime noch nie vorbei. Diesen Stellenwert nutzt Sänger "Dicken" aus und holt nochmal zum großen Rundumschlag aus. Dabei gibt es kaum einen kritischen Ansatz, der nicht sein Fett weg bekommt. Da sind zum einen wir Menschen, die aus nichts lernen und uns weiterhin gegenseitig die Köpfe einschlagen, selbst wenn wir eigentlich für die gleiche Sache einstehen ("Hölle"). Auch die Makel, niemals satt und mit unserem Leben zufrieden zu sein ("Fette Jahre") oder anstatt eigene Meinungen zu bilden, irgendwelchen Möchtegernvorbildern nacheifern ("Die Masse"), kotzen Slime an. 

"Kein Mensch ist illegal" und "Die Toten wollen wieder alleine sein" drehen sich um von Angst, Wut und Hass verstrahlte Leute, die die Grenzen dicht sehen wollen. Dass diese Themen der Band wichtig sind wundert wohl die wenigsten. Apropos Angst: Der Titelsong "Wem gehört die Angst" behandelt das Thema Angst als gezielt eingesetztes Instrument für Rendite in Form von Absicherung. Die Angst als Designerdroge - Slime machen es möglich.

Musikalisch fehlt zwar im Vergleich zu früher hin und wieder die letzte Härte, aber alles in allem bekommt man hier schnörkellosen, inhaltlich deutlichen Punkrock. Das ab und an fehlende Tempo gleichen eingängige Melodien und kreative Texte allemal wieder aus. Sei es, wenn die Band aus ihren Anfangszeiten erzählt wie in "Paradies", oder die letzten Akkorde des Albums bei "Solidarity" nicht nur in Englisch gesungen daherkommen, sondern dabei klingen, wie ein irischer Gassenhauer á la Dropkick Murphys. Slime machen nach wie vor einfach Spaß und vermitteln dabei wichtige Grundsätze. Punk(t)!

Fazit

7
Wertung

Slime schnüren aus Inhalten und Melodien ein Paket, das man sich sehr gut anhören kann. Auch nach mehreren Durchläufen kommt kein Nerv-Faktor auf. Im Gegenteil, Melodie-Hymnen wie "Wenn wir wollen" wollen geradezu mitgesungen werden. Wenn ihr wollt.

Mark Schneider