Shitney Beers und „This Is Pop“: Echt jetzt

„This Is Pop“ als selbstbewusste Ansage im Albumtitel birgt unendlich viel Stolpergefahr. Shitney Beers verwendet ihn, um Musik ernst zu nehmen – und tut gut daran.
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Wer sich ein bisschen im deutschen Indie-Underground auskennt und in den letzten zwei Jahren nichtsahnend über den Namen „Shitney Beers“ gestolpert ist, der wird wohl eher weniger das erahnen, was musikalisch auf „This Is Pop“ passiert. Anstatt der Blödelei im Künstlerinnennamen musikalisch Partie zu bieten, ist das zweite Album der bürgerlich Maxi Haug heißenden Künstlerin nämlich alles andere als eine Persiflage, sondern das Ergebnis liebevoll gestalteter Kunst. Die musikalische Ausrichtung ist dabei gar nicht so zielsicher, wie der Titel der Platte vielleicht vermuten mag. Der eröffnende „Advice Song“ etwa meditiert in einer melancholischen Phoebe-Bridgers-Sphäre, während das direkt folgende „Hun So Low“ – herrliche miese Wortwitze kann Haug wirklich – sich der Stimmung mit schrammeligem Neo-Grunge querstellt. „Pop Queen“, der vierte Track der Platte, mausert sich wiederum analog zu seinem Titel zum unzweifelhaften Hit der Platte, ist aber trotz seiner bestechenden Eingängigkeit eigentlich kaum weniger garstig.

Was ist dieses Album aber nun? So richtig fertig wird man mit alledem eigentlich nicht, vielleicht gerade, weil alles auf „This Is Pop“ so sympathisch wenig austariert wirkt. Viele der Songs lassen mit ihren eineinhalb Minuten Spielzeiten eine ganze Menge Punk vermuten, verbergen aber schlichtweg eher Musik, die wie aus dem Moment heraus entstanden wirkt und abseits gängiger Strukturdogmen endet, wenn sie fertig erzählt hat. Schiefe Querstände zwischen zwei Songs sind keine Seltenheit, aber keineswegs eine Regel. Pop hat diese Platte, ohne ihn zu brauchen. Was sagt das über „This Is Pop“? Shitney Beers scheint mit ihrer Musik wenig zu planen und hat stattdessen ein Album kreiert, in dem alles wie aus dem Affekt entsteht und gerade dadurch so authentisch erscheint. Das macht diese Platte nicht gerade einfach einzuordnen und wohlmöglich ist gerade deswegen der Bruch im Albumtitel so ironisch. Denn ja, das hier ist Pop – aber Pop ist erst der Anfang.

Fazit

6.8
Wertung

Diese Platte musste raus – alles Weitere ist so unplanbar wie das Leben selbst.

Jakob Uhlig